art meeting
Schere im Kopf, Fuß im Markt art meeting über Kunstkritik und Akademien
Das art meeting, die Plattform der art KARLSRUHE zur kontroversen Diskussion über Kunst, widmet sich in diesem Jahr am 28. und 29. Februar 2008 jeweils um 14 Uhr in der dm-arena zwei Fragestellungen, die Markt und Szene in Deutschland unmittelbar betreffen und beeinflussen: der Situation der Kunstkritik sowie dem Zustand an den künstlerischen Hochschulen.
Unter der fachkundigen Moderation von Dorothee Baer-Bogenschütz untersuchen am ersten Tag die Künstlerin Anke Doberauer, Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in München, der Direktor der Städelschule, Daniel Birnbaum, und der Karlsruher Hochschullehrer Wolfgang Ullrich die Lage an den Kunsthochschulen. Was ist deren Zukunft? Wie steht's um die Ausstattung? Und wie ist die Lehre gestaltet, um selbstständige Individuen auszubilden, die nicht nur auf den Markt und flotte Verkäufe schielen, sondern auch eine stetige Entwicklung hin zu einer eigenen Position realisieren können? In jüngster Zeit mehren sich die Stimmen, die eine Beliebigkeit im künstlerischen Schaffen konstatieren. Funktioniert denn wirklich alles, was den Anschein des Neuen trägt, als Kunst? Die Frage nach dem Rüstzeug schwebt im Raum: Spielt traditionelles handwerkliches Können wieder eine Rolle? Wie wird’s gelehrt? Oder ist die Akademie nur ein Ort unspezifischer Freiheit? Bildet sie noch den Mittelpunkt einer sachorientierten Auseinandersetzung zwischen den Studierenden und ihren Lehrern? Und wie sind die Institute seit der Umsetzung des Bologna-Prozesses im internationalen Vergleich aufgestellt? Die Beantwortung dieser Fragen führt nicht nur an den Kern gegenwärtiger Debatten zur Hochschulbildung allgemein, sondern auch an einen vergessen geglaubten Diskurs über die Rolle des Künstlers und letzten Endes an den Kunstbegriff selbst.
Kunstkritik – sie schillert derzeit wohl nicht so sehr, wie in den Tagen eines Carl Einstein oder Clement Greenberg. Woran liegt es, dass kaum starke, unabhängige Meinungen geäußert werden und der Rezensionsjournalismus die Oberhand im Blätterwald hat? Selbst als Kritikerin tätig, moderiert Dorothee Baer-Bogenschütz ein Podium mit Spitzenkräften: Aus Bonn wird der freie Autor Klaus Honnef anreisen. Zusammen mit den Kollegen Hans-Joachim Müller (Freiburg) und Susanne Schreiber, Redaktionsleiterin Kunst und Kunstmarkt beim Düsseldorfer Handelsblatt, debattiert er über den Status des unabhängigen Kritikertums. Eine Menge Sprengstoff liegt darin, denn nur wenige Autoren sind beispielsweise in der Lage, ausschließlich von ihrer Arbeit zu leben. Redaktionen werden verkleinert, das Internet mit seinen zahllosen Plattformen für zeitgenössische Kunst ist eine Herausforderung für sich. Gibt es ein Leitmedium? Wie muss sich die Kritik angesichts der medialen Herausforderungen verändern? Besonders bedeutsam erscheinen die institutionellen Bedingungen aus der Perspektive der Kritiker. Die Mehrzahl der „Freien“ muss sich vielseitig engagieren. Ob man nebenbei Ausstellungen kuratiert, Pressemitteilungen für Unternehmen schreibt, Expertisen verfasst: Überall lauert die Gefahr der Abhängigkeit vom Kunden. Ist unter diesen Umständen die freie Meinungsäußerung möglich? Trägt der Autor die Schere bereits im Kopf und wenn ja, warum?
Am Herzschlag der Kunst die entscheidenden Fragen kritisch zu beleuchten, das verspricht das art meeting, konzipiert von Lindinger + Schmid. Die Antworten: Über ihre Qualität entscheidet der Besucher mit, denn neben kurzen Impulsreferaten steht das Gespräch im Mittelpunkt. Auch und vor allem mit dem Publikum. Beide Veranstaltungen sind wie immer öffentlich und kostenlos für alle Messebesucher.
Referenten 2008
Zum Thema Kunsthochschulen am Donnerstag, 28. Februar 2008, 14 Uhr
Wie das Unlehrbare lehren? Kunsthochschulen als Paradoxon
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich
Staatliche Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe
Die Qualität der Freiheit. Gedanken zur Zukunft der Akademie
Prof. Anke Doberauer
Akademie der Bildenden Künste, München
Gegen die Nivellierung
Prof. Dr. Daniel Birnbaum
Direktor der Städelschule, Frankfurt/Main
Dorothee Baer-Bogenschütz, Moderation
Zum Thema Kunstkritik am Freitag, 29. Februar 2008, 14 Uhr
Kunstkritik zwischen Werbung und Wertung
Prof. Klaus Honnef
Kunstkritik - aussterbende Gattung
Hans-Joachim Müller, freier Autor
Marktbeobachtung und Kritik - wie verträgt sich das
Susanne Schreiber
Redaktionsleiterin Kunst und Kunstmarkt
beim Handelsblatt
Dorothee Baer-Bogenschütz, Moderation
Zum Thema Kunst und Geld am Samstag, 1. März, 14.00 Uhr
Experten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
im Gespräch
Uwe Hochmuth (Prorektor der HFG Karlsruhe)
Prof. Anna Jermolaewa, (Medienkünstlerin)
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich (Kunstwissenschaftler)
Max Mayer (Mayerei)
Moderation: Klaus Heid
Zum Thema Kunst als Mittel zur Erkenntnis am Sonntag, 2. März, 14.00 Uhr
Gespräch zwischen dem Gründer von MARIPOSA, Hans Jürgen Müller
und dem Kurator der art KARLSRUHE, Ewald Schrade







