Rückblick - Starker Saison-Start

Galerie Ludorf mit Vertretern der Klassischen Moderne
Galerie Ludorf mit Vertretern der Klassischen Moderne

Vom 22.-25.Februar 2018 feierte die art KARLSRUHE bereits ihr 15jähriges Jubiläum. Erfahren Sie hier was die Kunstwelt in Karlsruhe bewegte.

Eine Messe der Überraschungen

Die 15. art KARLSRUHE bot eine Vielzahl von Werken, die auch Insider überraschten, weil sie erstmals wieder auf den Markt kamen. Im Bereich der Klassischen Moderne wurde beispielsweise mit Bildern aufgetrumpft, die sofort im Messe-Gespräch waren: Einzigartig die „Sängerin am Piano“, ein Ölgemälde von Ernst Ludwig Kirchner aus dem Jahr 1930 (bei Henze & Ketterer; 3,7 Millionen Euro); ebenso faszinierend „Der Jahresablauf“, eine 1938 entstandene Malerei von Hannah Höch (bei St. Gertrude; 240 000 Euro). Selbstverständlich auch im Bereich der Gegenwartskunst allerlei Werke, die reichlich Aufmerksamkeit erzeugten. Spektakulär wirkte die „Ironie des Schicksals“, eine rund fünf Meter hohe und auf einer Fläche von 15 mal acht Metern aufgebaute Installation von Bernd Reiter, ein raumgreifendes Ensemble aus einem russischen Kampfflugzeug und zwei amerikanischen Luxusautos (bei Michael Schultz; 1,2 Millionen Euro). Umschwärmt waren auch die keramischen Bodenobjekte von Bean Finneran, insbesondere ein roter Ring, „Red Ring“ (siehe Titelfoto), aus unzähligen kleinen Stäben bestehend, nicht zuletzt dank der Tatsache, dass die international erfolgreiche Bildhauerin erstmals in Deutschland ausstellte (Davis-KlemmGallery; 95 000 Euro).

Unter dem diesjährigen Messe-Motto „Kunst. Raum. Emotion.“ hatte die Skulptur ihren großen Auftritt auf der art KARLSRUHE. Die von Kurator Ewald Karl Schrade initiierten und von Anfang an geschätzten Skulpturenplätze waren erstmals in allen vier Hallen zu finden, und sie deckten das kunsthistorisch breite Spektrum von figurativer Plastik bis zur konstruktiven Formation ab. Ruheplätze in der Kojen-Landschaft, Orte der Kontemplation und zugleich des Handels. Apropos Preise: Dass dank der L-Bank, der Staatsbank für Baden-Württemberg, in diesem Jahr zum ersten Mal der mit 20 000 Euro dotierte Loth-Skulpturenpreis vergeben werden konnte, passt zum Engagement fürs Dreidimensionale. Letztlich auch eine Motivation für die Aussteller, weiterhin diese besonderen Ausstellungsflächen zu belegen und folglich oftmals tonnenschwere Skulpturen nach Karlsruhe zu bringen.

Bernd Reiter,
Bernd Reiter, "Ironie des Schicksals", Skulpturenplatz der Galerie Michael Schultz

Eine Messe der Verkaufserfolge

Schon am ersten Messetag, so räumten etliche Aussteller ein, waren ihre Kosten eingespielt, weil von der Vernissage an tüchtig eingekauft wurde. Sammler aus Baden-Württemberg und teils von weither sorgten dafür, dass die Umsätze stimmten. „Wir haben große Verkäufe im sechsstelligen Bereich tätigen können“, sagte Manuel Ludorff aus Düsseldorf. Und auch beim Kollegen Thole Rotermund aus Hamburg liefen die Geschäfte glänzend: „Gleich zum Auftakt ein Macke-Aquarell, obendrein einen Heckel und eine Pechstein-Arbeit. Was mich persönlich freut, ist das Wissen, dass diese Bilder in sehr gute Sammlungen kommen.“ Begeistert war auch Doris Möllers aus Münster: „Gekauft haben Stammkunden und neue Kunden. Unter anderem wurden ein Münter-Gemälde im guten fünfstelligen Bereich sowie ein seltener Heckel-Holzschnitt erworben“.

Selbstverständlich fanden außerdem zahlreiche Arbeiten der Gegenwartskunst ihre neuen Besitzer. Dirk Geuer, Düsseldorf, freute sich bereits wenige Stunden nach der Eröffnung der art KARLSRUHE über den Ausverkauf sämtlicher Werke von Leon Löwentraut (Preise zwischen 18 000 und 45 000 Euro). In der dm-arena, der ContemporaryArt 21 gewidmet, bestätigte auch Marko Schacher, Stuttgart: „Tolles Klima in der Halle; es macht Spaß, hier zu sein“; er hatte zu diesem Zeitpunkt schon Einiges von Johanna Jakowlev veräußert (Preise zwischen 3 000 und 6 000 Euro).

Eine Messe der Anschaulichkeit

Wie Kunstwerke der Klassischen Moderne und der jüngsten Gegenwart im direkten Zusammenspiel einer wohnlichen Situation wirken, wie sie miteinander in den Dialog treten, das dokumentierte aufs Anschaulichste die Sonderschau der 15. art KARLSRUHE, von der Sammlung Frieder Burda gestaltet. „Ein Museum im Kleinen“ bezeichnete Burda selbst die an einen Salon erinnernde Inszenierung, in der Werke von Max Beckmann und Pablo Picasso, aber auch von Isa Genzken, Rodney Graham, Andreas Gursky und Neo Rauch zu sehen waren. „Wir haben sehr viel Zuspruch erhalten“, bilanzierte Henning Schaper, Direktor des Museums Frieder Burda, „sowohl auf Seiten der Medien als auch im Dialog mit den zahlreichen Besuchern.“

Umfangreiches Begleitprogramm

Christian K. Scheffel, Galerist in Bad Homburg, Initiator der „Blickachsen“-Skulpturen-Biennale im Rhein-Main-Gebiet, gehört von Anfang an zu jenen Ausstellern, die Skulpturenplätze auf der art KARLSRUHE bespielen, die Jahr für Jahr mit dreidimensionalen Werken international renommierter Bildhauer überraschen.

Joana-Vasconcelos, ausgestellt von Galerie Scheffel, Preisträgering des Loth-Skulpturenpreis 2018, art KARLSRUHE

Diesmal hatte sich Scheffel für die Arbeiten der 1971 in Paris geborenen und heute in Lissabon lebenden Künstlerin Joana Vasconcelos entschieden. Im Zentrum der Ausstellungsfläche stand eine hohe Teekannen- Form aus Schmiedeeisen, „Ostfriesland“, für eine Platzierung auch im Außenbereich geeignet. Der eindrucksvolle Skulpturenplatz fand das einstimmige Votum der vierköpfigen Jury für den neuen, erstmals vergebenen Loth-Skulpturenpreis, der an das Werk des 1993 verstorbenen deutschen Künstlers Wilhelm Loth erinnern soll und dank der L-Bank mit 20 000 Euro dotiert ist. Nachlass-Verwalter Alexander Heil, neben drei Museumdirektorinnen in der Jury tätig, betonte in seiner Rede anlässlich der Preis-Übergabe, dass sich Joana Vasconcelos, die Portugal vor fünf Jahren auf der Venedig-Biennale vertrat, bevorzugt um Frauen-Themen kümmert.

Galeristin Anja Knoess vor einem Werk der amerikanischen Künstlerin Sarah McRae Morton, art KARLSRUHE-Preisträger 2018

Nach zehn Jahren gemeinsamer Sammeltätigkeit auf der art KARLSRUHE war es auch für das Land Baden-Württemberg und die Stadt Karlsruhe interessant, einmal zu sehen, welche Arbeiten aufgrund der Auszeichnung mit dem art KARLSRUHE-Preis erworben wurden. In der dm-arena, in Halle 4 also, hatte die Städtische Galerie Karlsruhe, die die art KARLSRUHE-Collection betreut, eine Sonderschau aufgebaut, um den Messe-Besuchern einen Überblick zu gewähren. Derweil wurde der elfte, der jüngste art KARLSRUHE-Preis vergeben: Aus insgesamt 192 One-Artist-Shows der Messe wählte eine Fachjury die Präsentation der amerikanischen Künstlerin Sarah McRae Morton und der Kölner Galeristin Anja Knoess aus. 1984 geborene Malerin, so urteilte die Jury, „führt die malerische Tradition des 19. Jahrhunderts auf ebenso eigenständige wie eigenwillige Weise in die Gegenwart“.

Verleihung des Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift 2018 an Michael Kunze

Es ist längst beste Tradition, dass die Hamburger Platschek-Stiftung auf der art KARLSRUHE den Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift vergibt und diese Ehrung mit einer Ausstellung begleitet, die Werke des jeweiligen Preisträgers und des im Jahr 2000 gestorbenen Malers und Schriftstellers gegenüberstellt. In diesem Jahr setzte die Stiftung ausnahmsweise nur auf Bilder des Berliner Malers Michael Kunze, der den elften Platschek-Preis erhielt. Ausgewählt hatte ihn der Direktor der Kunsthalle Düsseldorf, Gregor Jansen, der in seiner Laudatio würdigte, wie Kunze „dem Potenzial nachspürt, das in den Unterströmungen der Moderne mitschwingt“. Jansen: „Er konstruiert texthaltige, labyrinthische, geschichtsverwobene Bilder und Texte; sie gleichen einer Argonauten-Fahrt oder Odyssee.“

Katharina Sieverding im Gespräch im ARTIMA art Forum 2018

Reichlich Frauen-Power diesmal im ARTIMA art meeting. In insgesamt vier Einzelgesprächen, die Moderator Carl Friedrich Schröer in der Halle 4 führte, kamen zwei Kunstvermittlerinnen und zwei Künstlerinnen zu Wort und gaben bereitwillig Auskunft, wie sie zur Kunst kamen, welche Weichen dafür im Elternhaus und/oder in der Schule gestellt wurden. Den Auftakt machten Patricia Kamp, Kunsthistorikerin und Stieftochter des Sammlers Frieder Burda, sowie die Bildhauerin Anke Eilergerhard, die auf einem Skulpturenplatz der Galerie Tammen & Partner vertreten war. Am folgenden Messe-Tag ließen sich Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck Museums, und die Künstlerin Katharina Sieverding befragen.

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