Rückblick 2022 - Sommeredition der art KARLSRUHE

Blick in Halle 2 - Kunst nach 1945 + Gegenwartskunst
Blick in Halle 2 - Kunst nach 1945 + Gegenwartskunst

Vom 7.-10. Juli 2022 fand die 19. art KARLSRUHE statt. Erfahren Sie hier was die Kunstwelt in Karlsruhe bewegte.

art KARLSRUHE – Klassische Moderne und Gegenwartskunst die Rückkehr zur realen Begegnung mit der Kunst

Die 19. Ausgabe der Kunstmesse zog insgesamt 30.000 Besucherinnen und Besucher nach Karlsruhe, die UNESCO City of Media Arts. Nicht nur sommerlicher Kunstgenuss, sondern auch der Erwerb von Kunst war im Interesse des Karlsruher Publikums. Vom 7. bis 10. Juli wurden die Hallen zum Schau- und Marktplatz für Kunst aus einer Spanne von über 120 Jahren. 215 Aussteller aus 12 Ländern, darunter Türkei, Griechenland oder die USA, verwandelten die Messe Karlsruhe für fünf Tage zu einem facettenreichen Schau- und Marktplatz für Kunst aller Sparten, insbesondere Malerei, Skulptur, Fotografie oder Editionen standen im Fokus des Interesses. Dass die Strahlkraft der art KARLSRUHE auch nach der coronabedingten Messepause ungebrochen ist, zeigen nicht nur die Beteiligungen der teilnehmenden Aussteller, sondern auch die Rückmeldungen der Galeristinnen und Galeristen..

Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Messe Karlsruhe, blickt positiv auf die vergangenen Tage zurück: „Der dieses Jahr notwendig gewordene Transfer der art KARLSRUHE vom angestammten Platz im Frühjahr in den Sommer ist uns sehr gut gelungen. Als krönender Abschluss unseres Messe-Restarts konnte auch die art KARLSRUHE unter Beweis stellen, welch vielfältiges Potential in der Kulturstadt Karlsruhe steckt. Die mediale Aufmerksamkeit der art KARLSRUHE hat nicht nur das Image Karlsruhes als Stadt der Kunst vorangebracht, sondern auch deren Auszeichnung als „UNESCO City of Media Arts“ eine Bühne geboten. Die enge Verbindung zwischen Messe und Stadt wurde beispielsweise am Auftritt des Karlsruher Kulturamtes oder des ZKMs in der neu gestalteten Halle 3 spürbar.“

Der Skulpturenplatz der Künstlerin Rosali Schweitzer (präsentiert durch die Galerie an der Pinakothek der Moderne) in Halle 4.
Der Skulpturenplatz der Künstlerin Rosali Schweitzer (präsentiert durch die Galerie an der Pinakothek der Moderne) in Halle 4.

Spaziergang durch die Kunstgeschichte

Mit 47 Galerien aus dem Ausland und etwa ebenso vielen aus Baden-Württemberg präsentiert sich die diesjährige art KARLSRUHE sowohl für das internationale Kunstgeschäft wie für die regional ansässigen Galerien als prominenter Treffpunkt der Branche. „Ein Besuch der art KARLSRUHE gleicht damit auch immer einem Spaziergang durch die Kunstgeschichte“, so Kurator Ewald Karl Schrade.

Mit 180 One-Artist Shows, 24 Skulpturenplätzen sowie zwei Sonderschauen bot die art KARLSRUHE 2022 Kunstinteressierten nicht nur Altbewährtes in neuem Licht, sondern auch Neuerungen, welche die reale Begegnung mit der Kunst kreativ in Szene setzten.

Die Freude über die Rückkehr zur realen Begegnung mit der Kunst war in Karlsruhe groß. Credits: Messe Karlsruhe / Lars Behrendt
Die Freude über die Rückkehr zur realen Begegnung mit der Kunst war in Karlsruhe groß. Credits: Messe Karlsruhe / Lars Behrendt

Neuerungen für entspannteren Kunstgenuss

Eine veränderte Hallenstruktur lud Kunstfreunde zu spannungsreichen Entdeckungen ein. In den vorderen Hallen erwartete die Besucher Kunst der Klassischen Moderne und Kunst nach 1945. ContemporaryArt 21 war in Halle 2 vertreten. Komplettiert wurde der Rundgang durch die neu gestaltete Halle 3, welche neben den Sonderschauen auch das ARTIMA art Forum beheimatete.

„Wir registrieren großen Zuspruch für das neue Hallenkonzept. Trotz gleichbleibend hoher Ausstellerzahlen wirken die Hallen dank großzügiger Querflure größer, die breiteren Gänge bieten nicht nur Raum für kunstvolles Flanieren, sondern tragen auch zu einer entspannteren Atmosphäre in den Hallen bei“, betonte Schrade weiter.

Auch hinsichtlich der zeitlichen Planung ergaben sich Neuheiten, sodass Preview (6. Juli) und Vernissage (7. Juli) erstmals je ein eigener Tag gewidmet wurde. Dies bot einer hohen Anzahl institutioneller Ankäufer, Kunsthändlern, Sammlerinnen und Sammlern gerade am ersten Tag die Möglichkeit, sich intensiv mit dem gebotenen Programm auseinanderzusetzen.

„Wenn das so weitergeht, muss ich nochmal nach Hause fahren, um weitere Kunstwerke zu holen. Der erste Tag lief super, die Galerie hat einige großformatige Arbeiten von mir verkauft. Ich finde die Entzerrung von Preview und Vernissage gut. Man hat einfach mehr Zeit, sich intensiver mit den Menschen, die es gewohnt sind, Kunst zu kaufen, zu beschäftigen“, schilderte beispielsweise Künstler Stefan Gross seine Eindrücke.

„Wir sind international gut vernetzt. Die art KARLSRUHE ist ein prima Baustein in Bezug auf unsere Präsenz in Deutschland. Wir haben sieben Künstler aus sieben Ländern von vier Kontinenten als Auswahl unseres Galerieportfolios dabei. Im Herbst eröffnen wir eine neue Dependence in Palm Beach. Wir sind glücklich, zum ersten Mal in Karlsruhe dabei zu sein und genießen den Sommertermin“, erzählt beispielsweise Eva Maria Ostendorf, Director der Kristin Hjellegjerde Gallery (Berlin/London).

Die Galerie Anja Knoess (Köln) und die Galerie Geiger (Konstanz) konnten der Umstrukturierung ebenfalls etwas abgewinnen. „Die Entzerrung finde ich super. So konnte ich mich auf wichtige Sammler konzentrieren“, urteilte etwa Dr. Stephan Geiger von der gleichnamigen Galerie.

Bei der Sommeredition der art KARLSRUHE stand nicht nur der Kunstgenuss, sondern auch der Kunsterwerb im Fokus der Besucherinnen und Besucher. Credits: Messe Karlsruhe / Jürgen Rösner
Bei der Sommeredition der art KARLSRUHE stand nicht nur der Kunstgenuss, sondern auch der Kunsterwerb im Fokus der Besucherinnen und Besucher. Credits: Messe Karlsruhe / Jürgen Rösner

Galerien und Künstler freuen sich über gute Verkäufe

Nicht nur die Rückkehr zur realen Begegnung mit der Kunst wurde gebührend auf der Sommeredition der art KARLSRUHE gefeiert, auch die Verkäufe stimmten viele Galerien sehr zufrieden.

Die Galerie Schacher – Raum für Kunst (Stuttgart) zieht in Karlsruhe ein positives Messefazit. „Wie konnten das größte Exponat unseres Künstlers Shalva Gelitashvili verkaufen. Das Werk „Purple Rain“ zeigt eine Öl-Malerei auf Abbruchfenstern und sorgte für großes Staunen an unserem Stand. Auch die mit Naturmotiven bedruckten Acrylglasplatten von Claudia Thorban haben viele neue Fans gefunden“, so Marko Schacher, Inhaber der Galerie Schacher und einer der Beiräte der art KARLSRUHE.

Die Galerie Eric Bausmann (Halle) verzeichnete nach kurzer Zeit ebenfalls zufriedenstellende Erfolge: „Wir sind sehr zufrieden. Am zweiten Tag hatten wir schon ungefähr die Hälfte neu gehängt.“

Ein besonderer Verkauf gelang der Salongalerie „Die Möwe“ (Berlin). Nachdem das lange Zeit verschollen geglaubte Werk „Madeleine im Spiegel“ von Lotte Laserstein auf der art KARLSRUHE erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, dauert es nicht lange, bis das Werk veräußert werden konnte. „Es ist viel Interesse bei den Besuchern vorhanden. In jedem Fall läuft Lotte Laserstein und insgesamt ist das Interesse bezüglich der Frauen größer als ihren männlichen Kollegen gegenüber“, so Claudia Wall von „Die Möwe“.

Die Gewinnerin des art KARLSRUHE-Preises Ambra Durante (präsentiert von Galerie Friese). Credits: Messe Karlsruhe / Jürgen Rösner
Die Gewinnerin des art KARLSRUHE-Preises Ambra Durante (präsentiert von Galerie Friese). Credits: Messe Karlsruhe / Jürgen Rösner

art KARLSRUHE als demokratischster Kunsthandelsplatz

Das diesjährige Programm der art KARLSRUHE zeichnete sich maßgeblich durch die Vielfältigkeit des Programms aus. „Ein programmatischer Schwerpunkt abseits der zeitlichen Gliederung lässt sich dieses Jahr kaum ausfindig machen“, erklärte Kurator Ewald Karl Schrade. „Das ist gerade das Schöne an unserer Messe: der unfassbar große Facettenreichtum an Positionen, die miteinander im Dialog stehen“, so Schrade weiter. Rund 1.500 Künstler waren durch das Programm der Galerien auf der Messe zu sehen. Sowohl aufstrebende Jung-Künstler und Künstlerinnen wie die im Jahr 2000 geborene Gewinnerin des art KARLSRUHE-Preises Ambra Durante (Galerie Friese), aber auch große Namen der Kunstgeschichte wie Lovis Corinth oder Heinz Mack wurden präsentiert.

Diese Bandbreite spiegelt sich auch in den angebotenen Preissegmenten. So wurden auf der art KARLSRUHE sowohl Geschäftstätigkeiten über Werke mit Preisen im sechs- bis siebenstelligen Bereich verzeichnet; aber auch für Einsteiger gab es zahlreiche Titel, welche die Lust am Kunstsammeln wecken konnten. „Auch dieses Jahr wollten wir unseren Ruf als die wohl demokratischste Kunstmesse des Landes unterstreichen. Darum war es uns ein Bedürfnis, jungen Sammlerinnen und Sammlern eine Inspirationsplattform zu bieten, beispielsweise durch die Sonderschau Druckgrafik“, so Britta Wirtz.

Die nächste art KARLSRUHE findet ebenfalls zu einer wärmeren Jahreszeit statt und lädt Kunstfreunde vom 4. bis 7. Mai 2023 in die Karlsruher Messehallen ein.

Gary Schlingeider, ausgestellt bei der galerie burster, Berlin, Preisträger des Loth-Skulpturenpreis 2020

Die Preisträger des dritten Loth-Skulpturenpreises sind die Galeristin Rita Burster (galerie burster, Berlin) und der Künstler Gary Schlingheider.

Die Fachjury begründete ihre Wahl wie folgt: „Die Jury schätzt die Leichtigkeit und Frische von Gary Schlingheiders raumbestimmenden und -definierenden farbigen Stahlelementen. Spielerisch, aber dennoch ernsthaft, öffnen und umgrenzen Schlingheiders Skulpturen Innen- und Außenräume. Sie geben dem Betrachter die Möglichkeit, sich mittels seiner Phantasie selbst neue Räume und Raumwirkungen zu erschließen. Baukastengleich können die Stabelemente an anderem Ort in unterschiedlichen Längen, Winkeln und Farben zu neuen Skulpturen gefügt werden. Dies macht es dem Künstler möglich, auf unterschiedlichste Räume einzugehen. Dabei hilft ihm ein Modellkasten mit farbigen Miniaturteilen bei seiner Skulptur-Raum-Planung. Die noch junge Galerie Burster, Berlin/Karlsruhe, hat mit viel Mut für Neues und hohem materiellem Engagement der Messe einen Kunstgenuss ermöglicht, für den wir uns alle bedanken"

Kirsten Eggers, Direktorin der König Galerie in Berlin nahm den Preis stellvertretend entgegen

2020 ging der Preis an die KÖNIG GALERIE und Künstlerin Annette Kelm. Kirsten Eggers, Direktorin der König Galerie in Berlin nahm den Preis stellvertretend entgegen.

Zur Auswahl der Preisträger kommentiert die Fachjury: "Einzelne Details und kleine formale Irritationen führen über die unmittelbare Anschauung hinaus und öffnen den Blick für historische oder gesellschaftliche Zusammenhänge, die die eigentliche semantische Matrix der Aufnahmen bilden. So verweist etwa die Serie ‚Travertinsäulen, Recyclingpark Neckartal‘ (2019) auf die NS-Zeit und ein Bauvorhaben des späteren Rüstungsministers Albert Speer, während Arbeiten wie ‚20 Deutsche Mark‘ (2019) an mögliche Risse im Sozialgefüge der Bundesrepublik Deutschland denken lassen."

Preisträgerin des Hans Platschek Preises für Kunst und Schrift 2020: Helga Schmidhuber

Die Hans Platschek Stiftung in Hamburg, 2005 vom Anwalt Kurt Groenewold gegründet, vergab bereits zum dreizehnten Mal den Hans Platschek-Preis für Kunst und Schrift. Wie alljährlich wählt der Vorstand einen Einzeljuror, welcher für die Preisverleihung eine/n Preisträger/in nominieren wird. Einzeljuror 2020 war Alexander Klar, Kunsthalle Hamburg, der die Künstlerin Helga Schmidhuberi zur Preisträgerin des Hans Platschek Preises 2020 ernannte.

Carl Friedrich Schroer und Dr. Felix Krämer (v.l.) im Gespräch im ARTIMA art Forum 2020

Moderator Carl Friedrich Schröer, Kunstkritiker aus Düsseldorf, sprach mit seinen Talkgästen im ARTIMA art meeting in insgesamt vier Einzelgesprächen über das Thema Skulptur.

Den Auftakt machten Dr. Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalastes Düsseldorf sowie Bildhauer Olaf Metzel.

Am folgenden Messe-Tag standen die Künstlerin Vera Röhm sowie Messe-Kurator Ewald Karl Schrade und Beirats-Mitglied Christian K. Scheffel, Initiator der Skulpturen-Biennale “Blickachsen“ Rede und Antwort.