Programm der art KARLSRUHE aus kunsthistorischer Perspektive

Natürlich: Eine Messe ist eine Messe – und kein Museum. Auch auf der art KARLSRUHE gibt es reichlich Bewegung an den Ständen der Aussteller. Immer wieder wird umgehängt, wenn Werke erworben und von den Sammlern gleich mitgenommen werden. Keine andachtsvolle Stille, sondern lebendige Auseinandersetzung, viele Gespräche zwischen Künstlern, Galeristen und dem Publikum. Und doch, so ist Jahr für Jahr zu beobachten, erinnert diese Messe auch ein wenig an ein Museum. Nicht nur der souveränen Inszenierungen in hohen, säulenfreien und lichtdurchfluteten Hallen halber. Es ist die Tatsache, dass die art KARLSRUHE das komplette Spektrum der Kunst des 20. Jahrhunderts bietet, obendrein durch jüngste Werke aus den Ateliers flankiert, die dazu beiträgt, dass der Messe-Rundgang auch als anregender Spaziergang durch die Kunstgeschichte empfunden werden kann.

Bildmaterial für die Berichtersattung zur art KARLSRUHE finden Sie hier .

Galerie Rudolf, Karl Hofer +

Karl Hofer,Blumenstilleben,1933, Öl auf Leinwand, monogrammiert und datiert, 56 x 38,7 cm,Provenienz: Märkisches Museum Witten/Ruhr, Sammlungen: Noelle/Witten, Dieterle/Basel und Sander/Darmstadt

Klassische Moderne

Der Blick in die Künstlerliste zeigt es: Die art KARLSRUHE 2018 präsentiert noch mehr Werke der Klassischen Moderne als jemals zuvor. Keiner der Großen, die im vergangenen Jahrhundert unbestritten Kunstgeschichte geschrieben haben, scheint zu fehlen. Natürlich sind Kubisten wie Georges Braque (in Halle 3 bei Rudolf, Kampen, und Gilden’s Arts, London) und Pablo Picasso vertreten (ebenfalls in Halle 3, unter anderem bei Ludorff, Düsseldorf, und bei Raphael, Frankfurt). Natürlich werden Bilder von Surrealisten wie Salvador Dali (etwa bei Galeria Cortina, Barcelona, Halle 2) und Max Ernst (Die Galerie, Frankfurt, Halle 2, und Schwarzer, Düsseldorf, Halle 3) zu sehen sein. Von Max Beckmann (Draheim, Eltville, Halle 3) über Lovis Corinth (Kunstkontor Dr. Möllers, Münster, Halle 3) und Pierre-Auguste Renoir (Bailly Gallery, Genf, Halle 3) bis zu Joan Miró (Bommer, Zürich, Halle 2) – ein fantastischer Überblick. Obendrein bietet die kommende art KARLSRUHE herausragende Positionen der speziellen Art. So will die Galerie Rotermund, Hamburg, Bilder von Karl Hofer mitbringen, ebenso Galerie Rudolf, Kampten/Sylt. Der Kunsthandel Hagemeier, Frankfurt, kündigt George Grosz an, und St. Gertrude, Hamburg, setzt auf Hannah Höch (alle in Halle 3). Auffällig zudem, dass etliche Aussteller mit Arbeiten von Bildhauern der Klassischen Moderne überraschen wollen, beispielsweise mit Ernst Barlach und Käthe Kollwitz (bei Koch-Westenhoff, Lübeck, Halle 3).

Kunsthistorischer Background:

Die Klassische Moderne dient als Sammelbegriff für die Wegbereiter der Kunst des 20. Jahrhunderts, für Pioniere wie Hans Arp, Marcel Duchamp, Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian, Barnett Newman, Jackson Pollock und Pablo Picasso. Gleichwohl sie allesamt oft in einem Atemzug genannt werden, verbindet sie oft kaum mehr als die Jahrzehnte, in denen sie lebten. Denn das vergangene Jahrhundert war auch das Jahrhundert unterschiedlichster Kunststile. Nicht selten lieferten sich die Künstler harte Auseinandersetzungen. Freundschaften zerbrachen, neue Gruppen und Bewegungen wurden gebildet. Kubisten (wie Juan Gris und Fernand Léger) und Futuristen (wie Giacomo Balla und Umberto Boccioni) prägten die Kunst der Zeit, aber auch Dadaisten (wie Francis Picabia und Kurt Schwitters) und Surrealisten (wie Joan Miró und René Magritte) hinterließen ihre Spuren und beeinflussten gleich mehrere Generationen folgender Künstler. Oft sammelten sich in einzelnen Ländern und Städten gleichgesinnte Maler und Bildhauer, allemal vorübergehend. In Österreich entstand im Umfeld der Wiener Secession eine Kunst, die wesentlich durch Maler wie Gustav Klimt und Egon Schiele dominiert war. In Mexiko hatten Frida Kahlo und vor allem Diego Rivera einen großen Einfluss auf die bildnerische Entwicklung. Nicht zuletzt gehören zur oft zitierten Klassischen Moderne auch Positionen, die eine eigene Wahrnehmung sinnvoll erscheinen lassen, etwa der deutsche Expressionismus (Kirchner, Nolde & Co.) und der amerikanische Abstrakte Expressionismus (Willem de Kooning, Mark Rothko und andere).

Ernst Ludwig Kirchner, Galerie Henze & Ketterer +

Ernst Ludwig Kirchner Sängerin am Piano 1930, Öl auf Leinwand, 120 x 150cm Courtesy Galerie Henze & Ketterer

Expressionismus

Vielleicht kein Zufall, dass ausgerechnet die Bilder des 1994 gestorbenen amerikanischen Malers Sam Francis auf der art KARLSRUHE 2018 in beachtlicher Anzahl zu finden sein werden. Der Künstler, einer der Hauptvertreter des Abstrakten Expressionismus, schuf seine ersten ungegenständlichen Werke vor genau 70 Jahren. Sam Francis, bekannt dank seiner von einer starken Farbigkeit geprägten Malerei der Flecken und Tropfen, wird an Ständen in der Halle 2 (Bommer, Zürich, und Cortina, Barcelona) in Erinnerung gerufen, und weitere Gemälde von ihm werden in Halle 3 geboten (Draheim, Eltville, und Koch, Hannover, sowie Gilden’s Arts, London). Zudem plant der Berliner Galerist Georg Nothelfer, Halle 2, zwei weitere Heroen dieser Radikalmaler-Fraktion vorzustellen, nämlich Robert Motherwell und Cy Twombly. Naturgemäß ist auf der art KARLSRUHE der deutsche Expressionismus besonders gefragt. Fünf Galerien werden Bilder von Emil Nolde anbieten (Draheim, Henze & Ketterer, Ludorff, Rotermund und Schwarzer), und sechs zeigen Ernst Ludwig Kirchner (Bailly Gallery, Hagemeier, Henze & Ketterer, Ludorff, Rudolf und Schwarzer). Auch von den Brücke-Malern Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottloff sind in Halle 3 herausragende Bilder und Zeichnungen zu erwarten. Aussteller wie Kunstkontor Dr. Möllers, Henze & Ketterer, Rudolf und Luzán aus Berlin bereiten sich darauf vor.

Kunsthistorischer Background:

Als der Begriff Expressionismus in Deutschland für eine abstrakte, expressive und zugleich dem Gegenstand zugewandte Malerei verwendet wurde, um 1910 etwa, war die entsprechende Künstlergruppe bereits ins Leben gerufen, nämlich die Brücke, 1905 in Dresden von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und anderen gegründet. Wenig später, 1911, folgte in München der Blaue Reiter, eine Vereinigung um Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter, Künstler, die stilistisch breiter als die Dresdner Kollegen arbeiteten. Die kraftvolle, die leidenschaftliche Malerei verbindet beide Gruppen ebenso wie die kurze Phase des Zusammenseins. Die Brücke löste sich wegen persönlicher Konflikte auf (1913), beim Blauen Reiter nahte das Ende wegen des beginnenden Weltkriegs noch schneller (1914). Die große, kunstgeschichtliche Leistung der Expressionisten, ob Brücke oder Blauer Reiter, bestand zweifellos darin, den Naturalismus des 19. Jahrhunderts vehement abgelehnt und eine neue, zunächst antibürgerlich verstandene Malerei entwickelt zu haben.

Galerie Maulberger, K.R.H. Sonderborg +

K.R.H. Sonderborg Jonas 15.IV.53 / 20.30 - 0.30h 1953, Tempera auf Karton, 49 x 69 cm, Galerie Maulberger München

Informel

Werke von Emil Schumacher wird es bei Luzán aus Berlin geben, natürlich beim Informel-Galeristen schlechthin, bei Georg Nothelfer, ebenso bei Ludorff aus Düsseldorf und bei Maulberger aus München. Antoni Tàpies steht ebenfalls auf der Künstlerliste der nächsten art KARLSRUHE (bei Cortina aus Barcelona), und selbstverständlich sind Bilder von Ernst Wilhelm Nay (bei Ludorff), Hann Trier (bei Zellermayer, Berlin) und Fritz Winter (bei Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern, Fritz-Winter-Haus, Ahlen) für die Messe vorgesehen. Keine Frage: Das Informel, die ungegenständliche Nachkriegskunst, hat 2018 einen großen Auftritt in Karlsruhe. Alle bedeutenden Künstler dieser Richtung sind im Künstler-Verzeichnis zu finden. Allein der vor Monaten verstorbene Karl Otto Götz soll in sechs Messe-Ständen mit Bildern auftauchen. Zudem werden von Bernard Schultze über K.R.H. Sonderborg bis Fred Thieler alle anderen Pioniere beteiligt sein. Zu den besonders umschwärmten Bildern gehören die Arbeiten von Walter Stöhrer, der im Jahr 2000 starb und jetzt von mehreren Ausstellern angekündigt wird, darunter Charron aus Paris und Schlichtenmaier aus Grafenau. Zum Kreis der informellen Maler, die immer noch zu entdecken und alle in den Hallen 2 oder 3 zu finden sind, gehören Eigen Batz (Döbele, Mannheim) und Hubert Berke (Zellermayer, Berlin). Zur jüngeren Maler-Generation, die diese Tradition aufgreift und modifiziert fortführt, zählt Norbert Frensch (Galerie Schwarz, Greifswald).

Kunsthistorischer Background:

Das Malverbot der Nationalsozialisten verursachte beispielsweise in Deutschland einen ungeheuren Hunger auf freie Formgebung. Die Künstler gierten danach, mit Farbe und aus der spontanen Geste heraus Bilder entstehen zu lassen, die häufig als Seismogramme der im Krieg verwundeten Seele gelesen wurden. Kein Gegenstand erkennbar, keine Schere im Kopf vonnöten – die Maler atmeten Ende der Vierziger und in den Fünfzigern auf. Sie ließen sich, als wären ihre Hände und Pinsel von überirdischen Kräften geleitet, vorbehaltlos auf das Abenteuer ein, oft in Sekundenschnelle ihre Spuren auf den Leinwänden zu hinterlassen – oder kurzerhand den Zufall mittspielen zu lassen, indem sie zum Beispiel dünnflüssige Farbe schütteten und laufen ließen oder ihr Material pastos auftrugen, um es dann wegzukratzen oder allemal grob und heftig zu verteilen. Aber es gab und gibt natürlich auch Maler, die in aufwendigen, kleinteiligen Verfahren ihre informellen Bildwelten wuchern lassen, einen Mikrokosmos schaffen, der voller Magie zu stecken scheint. Hauptsache: Das Innere kann sich entfalten, wird sichtbar und kündet von der Befreiung durch die Malerei.

Heinz Mack, Galerie Geiger +

Heinz Mack Ohne Titel 1970, Graphit auf Bütten, 107, 5 x 78 cm © VG BILD-KUNST Bonn, 2017, Galerie Geiger

Zero-Bewegung

Seit vielen Jahren gehört die Kunst der Zero-Bewegung zu den auf der art KARLSRUHE enorm stark vertretenen Kunstrichtungen. Die beiden Zero-Impulsgeber Heinz Mack und Otto Piene werden 2018 jeweils von rund einem halben Dutzend Galerien mit Bildern, Skulpturen, Grafiken und Lichtobjekten vorgestellt, und der später, nämlich 1960, hinzugekommene Günther Uecker soll sogar an acht Ständen berücksichtigt werden, darunter BEGE, Ulm (Halle 3), Kellermann, Düsseldorf (Halle 3), Dorothea van der Koelen, Venedig/Mainz (Halle 2) und Heike Schumacher, Überlingen (Halle 1). Außerdem werden Werke von Künstlern zu sehen sein, die ebenfalls zur Zero-Bewegung gerechnet werden, beispielsweise Christian Megert (Maab Gallery, Padua) und Adolf Luther (Schwarzer, Düsseldorf).

Kunsthistorischer Background:

Als Gruppe wollten sie niemals gesehen werden, obgleich diese Künstler in verschiedenen Formationen immer wieder zusammen ausstellten und auftraten. Vielleicht waren sie zu unterschiedlich in Bezug auf ihre künstlerische Herkunft und ihre bildnerischen Pläne ausgerichtet. Ganz gewiss aber war die Zeit reif, als Heinz Mack und Otto Piene vor genau 60 Jahren ihre erste Abendausstellung in Düsseldorf machten, um Stille und Schweigen zu proklamieren, während rundum viele Kollegen, tüchtig und lautstark, informell in die Farbtöpfe griffen. Weiß war ihre Farbe, sie malten mit dem Licht, sie schätzten die Schwingung: ZERO, das war der Countdown zum Neubeginn, zu einem Purismus, der sich in Lichtstelen und Nagelreliefs darstellte. Und: ZERO war eine europäische Bewegung, vom Rheinland aus. Aus Italien kamen Künstler wie Lucio Fontana und Piero Manzoni hinzu, aus den Niederlanden beispielsweise Jef Verheyen und Jan Schoonhoven. Indessen: Wo Verdichtung stattfand, folgte bald auch wieder Entzerrung, die Auflösung. Vor exakt 50 Jahren kam es offiziell zum Ende der gemeinsamen Aktivitäten, wenn nicht gar früher schon, wie sich Zeitgenossen erinnern. Ob Mack, Piene oder Uecker – jeder ging seinen eigenen Weg, technischer oder existenzieller orientiert, mehr der Schönheit oder mehr der Wahrheit verpflichtet.

James Rizzi, Galerie Art 28 +

James Rizzi People you meet on the Street 2005, Papier, 3D Konstruktion, 90x115 Art Licensing Int. GmbH, Galerie Art 28

Pop-Art

Die art KARLSRUHE und die Pop-Art gehören zusammen. Von Anfang an, seit dem Start im Jahr 2004, spielt die von Massenkultur und Konsumwelt beeinflusste Kunst eine viel beachtete Rolle auf der Kunstmesse im deutschen Südwesten. Für die Messe-Runde 2018 haben etliche Aussteller außerordentlich prominente Namen gemeldet. So werden Arbeiten von Roy Lichtenstein (Raphael, Frankfurt, Halle 3) und von Andy Warhol (unter anderem bei Schwarzer, Düsseldorf, und bei Gilden’s Arts, London, beide Halle 3) ausgestellt und zum Kauf angeboten. Pop-Art, die solide Kapitalanlage, gibt es zudem von Künstlern wie James Francis Gill (Premium Modern Art, Heilbronn, Halle 1) und dem im Jahr 2011 gestorbenen James Rizzi (art box, Berlin, und Art 28, Stuttgart, ebenfalls Halle 1). Auch der unverwechselbare isländische Künstler Erró, Jahrgang 1932, der seine Pop-Art in einem politischen Kontext verortet, wird beteiligt sein (am Stand der Galerie Ernst Hilger, Wien, Halle 2). Schließlich wollen die Werke von zwei Künstlern wahrgenommen werden, die als Vertreter der deutschen Pop-Art zu sehen sind: Werner Berges (DavisKlemm Gallery, Wiesbaden, Halle 2) und Moritz Götze (Rothamel, Erfurt und Frankfurt/Main, Halle 3).

Kunsthistorischer Background:

Als in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Erfinder der Pop-Art begannen, das Triviale aus dem Alltag in die Kunst zu hieven, es salon- und kunstmarktfähig zu machen, konnte wirklich niemand ahnen, dass diese Kunstrichtung einmal zu den Positionen gehören könnte, die aus der Kunstgeschichte und dem Kunsthandel nicht mehr wegzudenken sind. Vom Comic-Strip bis zur Cola-Flasche und von der Werbeschrift bis zur Nationalflagge reichte das Spektrum der Objekte, die zur Auseinandersetzung mit der Warenwelt animierten und oft auch ungefiltert in die Bilder, Collagen, Skulpturen und Environments integriert wurden. Amerikanische Künstler wie Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Mel Ramos, James Rosenquist, Andy Warhol und Tom Wesselmann bevorzugten eine Ikonografie, die stilisierend wirkte, teils grell in der Farbigkeit. Dagegen setzten die englischen Pop-Kollegen, darunter Peter Blake, Jim Dine, David Hockney und Allen Jones, stärker auf den individuellen Ausdruck. Dass der Erfolg der Pop-Art anhält, erklärt sich nicht zuletzt dank der Tatsache, dass sie aus einem Konsumgüter-Fundus geboren wurde, dass sie somit bis zum heutigen Tag ständig neue Nahrung findet.

Franz Erhard Walther, Galerie Stahlberger +

Franz Erhard Walther O.T. verso signiert 1976 I 8 I 1976, Gouache auf Papier, 29,5 x 21 cm, Galerie Stahlberger

Konkrete Kunst

Neben aller Figuration und ungegenständlicher Formation, die auf der art KARLSRUHE traditionsgemäß besondere Berücksichtigung finden, bietet die Messe auch 2018 eine Reihe von bildnerischen Positionen, die unter dem Sammelbegriff Konkrete Kunst einzuordnen sind. Klassiker sind Künstler wie Josef Albers (Ludorff, Düsseldorf, Halle 3) und Antonio Calderara (Canali Afra, Brescia, Halle 3). Natürlich gehören internationale Stars wie Daniel Buren (van der Koelen, Mainz/Vendig, Halle 2), Franz Erhard Walther (Stahlberger, Weil am Rhein, Halle 2) und Lawrence Weiner (March, Stuttgart, Halle 2) dazu. Selbstverständlich Heijo Hangen (Hoffmann, Friedberg, und Geiger, Konstanz), Vera Röhm (van der Koelen, zudem Gimpel & Müller, Paris) und Ludwig Wilding (Bender, München, Halle 2). Der Künstler, der 2018 in diesem Segment auf der art KARLSRUHE am häufigsten vertreten sein wird, kommt aus Düsseldorf: Es ist Imi Knoebel, und von ihm gibt es Arbeiten an den Ständen von Stockebrand + Uekermann, Berlin, von Fetzer, Sontheim, und Schwarzer, Düsseldorf (alle sind in Halle 3 anzutreffen).

Kunsthistorischer Background:

Im Gegensatz zur abstrakten Kunst, die den Gegenstand aus dem Naturalismus holt und in freie, eigendynamische Form zu übersetzen versucht, widmet sich die Konkrete Kunst den bildnerischen Elementen und ihren Gesetzmäßigkeiten. Das Geistige in der Kunst, wie es im vergangenen Jahrhundert vom zweiten Jahrzehnt an gefeiert und 1930 in Paris per Manifest (Theo van Doesburg) proklamiert wurde, ebnet den Weg für unterschiedlichste Ansätze visuell sorgsam gesteuerter Kreativität. Von Trends, wie sie durch die Schweizer Konkreten im Umfeld von Max Bill begründet wurden, über Haltungen minimalistischer Herkunft (Donald Judd oder Sol LeWitt) bis zu konzeptuellen Entwicklungen, etwa auch im Kontext Sprache (Robert Barry, Franz Erhard Walther oder Lawrence Weiner), erstreckt sich das Spektrum jener Kunst, jüngst durch kontextuelle, grenzüberschreitende Ideen einer folgenden Künstler-Generation erweitert.

Bernd Zimmer, Galerie Rother Winter

Bernd Zimmer Spiegelwasser II 2010, Acryl auf Leinwand, 110 x 90 cm, Galerie Rother Winter

Neo-Expressionismus

Jahr für Jahr sieht man Markus Lüpertz auf der art KARLSRUHE. Der Messe-Besuch ist Pflicht-Termin für ihn. Und so wundert es nicht allzu sehr, dass vier Aussteller 2018 Arbeiten von Lüpertz zeigen wollen, darunter eine Präsentation auf einem der Skulpturenplätze. Der renommierte Künstler wird bei Osper, Köln, sowie bei Kellermann und bei Schwarzer, beide Düsseldorf, gewiss selbst am Stand nach seinen Werken sehen. Diese drei Galerien werden in Halle 3 zu finden sein. Außerdem steht Markus Lüpertz auf der Künstlerliste der Halle 1, wo das Kunsthaus Lübeck vorgesehen ist. Diese Galerie zeigt zudem Bilder und Grafiken von Jörg Immendorff. Außerdem werden Werke der ehemaligen Moritz Boys aus Berlin zu sehen sein: Salomé bei Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern (Halle 3), Rainer Fetting bei Thomas Fuchs, Stuttgart (Halle 2), und Bernd Zimmer bei Rother Winter, Wiesbaden (Halle 2), und Fetzer, Sontheim (Halle 3). Mit Elvira Bach und Stefan Szczesny ist bei Reitz aus Köln (Halle 2) zu rechnen, und Meyer Riegger, Karlsruhe, wollen dort auch Bilder von Miriam Cahn präsentieren, die zuletzt an der documenta in Athen und Kassel teilnahm. Aus Amerika obendrein Julian Schnabel, den Circle Culture Art aus Berlin (Halle 1) präsentieren möchte.

Kunsthistorischer Background:

In den siebziger Jahren, als viele reduzierte, minimalistische Positionen in der Kunst der Gegenwart einen großen Hunger nach farbenfroher, lustvoller, auch frecher Malerei erzeugten, kam die Stunde junger Künstler und mutiger Galeristen, die diese heftige, wilde Malerei produzierten und ausstellten. Innerhalb weniger Monate, von Ende 1979 an, konnten Schnellmaler wie Salomé, Berlin, oder Jiri Georg Dokoupil, Köln, einen solchen Erfolg verbuchen, dass sie es kaum mehr schafften, die täglich zunehmende Nachfrage zu befriedigen. Im Rheinland wirkte das Sextett Mülheimer Freiheit, in Berlin war es ein Quartett, die Moritz Boys. Mit ihren häufig (vermeintlich) nachlässig gemalten Bildern, die die Themen der Zeit aufgriffen, ob geteiltes Deutschland oder Lust an der Punk-Bewegung, waren sie innerhalb weniger Jahre überall präsent, auch in vielen Museen. Dabei profitierten sie formal zweifelsfrei vom Expressionismus, wie er über 70 Jahre zuvor erfunden wurde.

Marion Eichmann, Galerie Tammen & Partner +

Marion Eichmann 13 Stühle 2017, Collage, Papierschnitte, 150 x 215 cm courtesy Galerie tammen & Partner

Etablierte Gegenwartskunst

Zum Kanon der Kunst, die die Gegenwart dokumentiert, aber auch den künstlerischen Nachwuchs anregt, gehören große Namen. Die art KARLSRUHE spannt den Bogen weit, Jahr für Jahr. 2018 werden zum Beispiel amerikanische Künstler wie Christo (Nothelfer, Berlin, und Charron, Paris, beide Halle 2) sowie Damien Hirst (Koch, Hannover, und Luzán, Berlin, beide Halle 3) beteiligt sein. Aber auch die Stars aus dem deutschen Sprachraum sollen wieder gut vertreten sein, beispielsweise Hermann Nitsch (Hilger, Wien, Halle 2, und Immaginaria Arti Visive Gallery, Florenz, Halle 3) sowie Arnulf Rainer (St. Gertrude, Hamburg, Halle 3) aus Österreich. Und aus Deutschland unter anderen Gerhard Richter, auf den ein halbes Dutzend Galeristen setzt. Wie überall: Die Übergänge sind fließend. So sind auch aufsteigende Künstlerinnen, die auf der art KARLSRUHE schon wiederholt mit ihren Werken berücksichtigt wurden, 2018 mit neuesten Arbeiten zu erwarten. Dazu zählen, ein Beispiel unter vielen, die Papierschnitt-Werke von Marion Eichmann und die Silikontropfen-Objekte von Anke Eilergerhard (bei Werner Tammen, Berlin, Halle 3).

Kunsthistorischer Background:

Aufgrund der Künstlerliste der art KARLSRUHE für 2018, wo von Gotthard Graubner über Sigmar Polke bis zu Dieter Roth auch viele mittlerweile verstorbene Maler und Bildhauer zu finden sind, öffnet sich die Kunstgeschichte in all ihren Facetten. Teilweise werden allerdings, eben nur durch zwei oder drei renommierte Künstlernamen repräsentiert, einzelne stilistische Richtungen wie die Aktionskunst, die Happening- und Fluxus-Szene oder die Land-Art nur in Ausschnitten vertreten sein. Dank des Führungsprogramms zur art KARLSRUHE 2018 lassen sich freilich auf Wunsch auch diese Positionen in die Kunst-Rezeption einbinden.

 Stefan Strumbel, Galerie Circle Culture +

Stefan Strumbel, ohne Titel 2017, aluminium, 162 x 80 x 70 cm Courtesy of the artist and Circle Culture

Urban Art

In Halle 4, der dm-arena, wird auch 2018 eine hohe Konzentration jüngster Kunst zu entdecken sein. Viele der ausgestellten Werke wollen die Galeristen erst kurz vor Messe-Beginn aus den Ateliers holen, und diese Arbeiten versprechen zwangsläufig viele Überraschungen, zumal einige der Nachwuchs-Künstler gerade erst ihre Ausbildung an Akademien und Hochschulen beendet haben. So können Sammler hier zu günstigen Preisen einkaufen. Von der figurativen Plastik bis zum konstruktiven Gemälde gibt es ein breites Angebot. Auffällig dabei, dass zunehmend auch Künstler in die Galerien, Privatsammlungen und Museen drängen, die früher im Stadtraum agierten, dort Graffiti hinterließen oder plastische Eingriffe, die bisweilen zu Hause vorbereitet und dann im Schutz der Dunkelheit vor Ort montiert werden. Diese Kunst im öffentlichen Raum, der vor kurzem in Berlin sogar ein eigenes Museum gewidmet wurde, hat auf der art KARLSRUHE schon seit Jahren eine Heimat. Die beiden bekanntesten Künstler werden 2018 dabei sein: Thomas Baumgärtel bei der DavisKlemm Gallery, Wiesbaden (Halle 2), und Stefan Strumbel bei Circle Culture Art, Berlin (Halle 1).

Kunsthistorischer Background:

Es kommt nicht von ungefähr, dass der Generaldirektor der Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig, der Fachmann für Urban Art schlechthin, gerne daran erinnert, dass diese Kunstrichtung mit dem Hip-Hop in Zusammenhang gebracht werden will. Er spricht von einem Lebensgefühl, und wer Künstler wie Thomas Baumgärtel oder Stefan Strumbel persönlich kennenlernt, der kann diese Aussage sofort nachvollziehen. Urban Art versetzt die Menschen in Schwingungen, sie dynamisiert die Räume, in denen sie auftaucht, ob draußen oder drinnen. Urban Art – vielleicht die Kunst der Zukunft.

Ausstellerliste der art KARLSRUHE 2018

Aussteller 2018

Ausstellerliste der art KARLSRUHE 2018

mehr
Der Katalog

Der Katalog

art KARLSRUHE zum Mitnehmen mit allen Galerien und vertretenen Künstlern.

mehr