Allianz von Stadt und Land: der art karlsruhe Preis
Wenn der amtierende Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, in Sachen art karlsruhe Preis befragt wird, dann betont er gerne die weitreichende Bedeutung der Kunstmesse. Die Auszeichnung, eine Allianz von Land und Stadt, dotiert mit einem Ankaufsetat in Höhe von 15.000 Euro, würdigt seit 2008 einerseits die beste one:artist show, andererseits dient sie dem fortwährenden Ausbau der art karlsruhe Collection.
Jahr für Jahr kommt eine Jury aus Museumsleuten und Kunstkritikern zusammen, um aus der Vielzahl der Einzelausstellungen auf der Messe eine Präsentation auszuwählen und auch Arbeiten für die vom Kunstmuseum Karlsruhe (ehemals Städtischen Galerie Karlsruhe) betreute Sammlung zu erwerben. So ist es für zahlreiche Aussteller der art karlsruhe attraktiv eine one:artist show zu zeigen. Auf mindestens 25 Quadratmetern Standfläche ausgebreitet besteht die Möglichkeit, einen besseren Einblick ins Werk einzelner Künstler zu gewähren.
Preisträgerin 2026: Shanee Roe und Galerie Kornfeld
Höhepunkt der offiziellen Messe-Eröffnung war die Verleihung des 18. art karlsruhe Preises an die Galerie Kornfeld (Berlin) und ihre Künstlerin Shanee Roe.
Galerist Freddy Kornfeld und Tilman Treusch nahmen den art karlsruhe Preis von Stefanie Patruno, Britta Wirtz, Arne Braun, Staatsekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg und Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe entgegen.
Zur Wahl standen in diesem Jahr insgesamt 70 one:artist shows.
Einblicke in die Kunst des Einzelnen
Die one:artist shows ermöglichen es den Messebesuchenden, sich näher mit dem Schaffen einzelner Künstlerinnen und Künstler zu befassen. „Dass unsere Künstlerin und wir als Galerie KORNFELD Berlin auf diese besondere Weise Anerkennung und Aufmerksamkeit finden, bedeutet ihr und uns sehr viel“, sagt Galerie-Inhaber und Gründer Freddy Kornfeld. „Umso mehr freut uns, dass diese positive Resonanz sich auch in unseren Verkäufen niederschlägt.
Zur Auswahl der Preisträger kommentiert die Fachjury:
"Shanee Roe zählt zu den markanten Stimmen einer Malerei, die den menschlichen Körper als emotionalen und psychischen Erfahrungsraum begreift. Das Figurative erscheint bei ihr nicht als bloße Abbildung, sondern als existenzielle Setzung. Der Körper wird zum Ort innerer Bewegungen, an dem sich Intimität, Unsicherheit und Ironie zu einer Bildsprache verdichten, die unmittelbar wirkt und zugleich vielschichtig bleibt. Gerade diese Bildwelt im rohen Ton und im ausschließlichen Jetzt emotionaler Intensität hat uns als Jury besonders beeindruckt." begründete Jury-Sprecherin Stefanie Patruno die Entscheidung im Namen der gesamten Jury.
"Im Zentrum ihres Werks stehen zwischenmenschliche Beziehungen in ihrer Fragilität. Ihre Figuren suchen Annäherung, doch Gesten bleiben unvollendet, Nähe erscheint als Sehnsucht im Spannungsfeld von Begehren und Abwehr. Diese Offenheit des Nicht-Gelingens verleiht den Bildern ihre emotionale Kraft.
Roe scheut nicht vor expliziter Körperlichkeit zurück. Intime Situationen und radikale Entblößung sind sichtbar, jedoch ohne Provokation oder Effekthascherei. Sexualität wird zum Mittel, Verletzlichkeit und die Zerbrechlichkeit von Nähe sichtbar zu machen. Die Künstlerin formuliert es selbst so:
„Ich nutze Humor gern, um einen verletzlichen, unbeholfenen und verzweifelten Zustand offenzulegen – um Einsamkeit in ihrer berührendsten und schonungslos rohen Form sichtbar zu machen. Es ist intim, aber nicht sexy oder romantisch, und es geht nicht um Liebe. Es ist eine Essenz, die sich realer anfühlt als all das.“
Humor und Groteske sind dabei keine Gegensätze zur Ernsthaftigkeit, sondern ihre Voraussetzung. Überzeichnete Körperhaltungen und existenzielle Offenheit stehen nebeneinander. Gerade im Unbeholfenen wird menschliche Einsamkeit sichtbar.
Ein wiederkehrendes Motiv sind Tränen – Zeichen von Überforderung ebenso wie von Zärtlichkeit. Der Körper wird hier selbst zum Träger innerer Zustände. Schmerz und Ironie stehen nebeneinander und verweisen auf die Ambivalenz menschlicher Erfahrung.
Zentral sind die von Shanee Roe beschriebenen „intimen Lücken“ – jene Momente, in denen Nähe gesucht, aber nicht vollständig erreicht wird. Diese Zwischenräume sind keine Defizite, sondern produktive Spannungsfelder. Ihre Bilder zeigen nicht das harmonische Zusammenkommen, sondern das fragile Dazwischen – und entfalten gerade daraus ihre poetische Kraft.
Formal bewegt sich Roe im Dialog mit der figurativen Tradition, ohne sie zu zitieren. Expressive Geste und Gegenständlichkeit erscheinen als gleichwertige Träger von Erfahrung. Ihre Malerei verbindet körperliche Präsenz mit psychologischer Tiefe und stellt die Frage neu, wie der Körper heute gemalt werden kann, ohne ihn festzuschreiben oder zu idealisieren.
Shanee Roe schafft einen Bildraum, der über das Visuelle hinausweist. Ihre Arbeiten berühren unmittelbar und bleiben zugleich offen. In einer Zeit, in der Nähe und Körperlichkeit neu verhandelt werden, leistet ihre Malerei einen sensiblen und kraftvollen Beitrag zum zeitgenössischen Diskurs."
Bisherige Preisträger:
- 2025 Etsu Egami Galerie Kornfeld, Berlin
- 2024 Carlo Krone Galerie Fuchs, Stuttgart
- 2023 Mona Radziabari Galerie Michael Sturm, Stuttgart
- 2022 Ambra Durante Galerie Friese, Berlin
- 2020 Annette Kelm Galerie König, Berlin
- 2019 Myriam Holme Galerie Bernhard Knaus Fine Art, Frankfurt am Main
- 2018 Sarah McRae Morton Galerie Anja Knoess, Köln
- 2017 Neringa Vasiliauskaite Galerie Smudajescheck, München
- 2016 Werner Schmidt Galerie Wohlhüter, Leibertingen-Thalheim
- 2015 Alfonso Hüppi Galerie Reinhold Maas, Reutlingen
- 2014 Jessica Buhlmann Galerie Anja Rumig, Stuttgart
- 2013 Claude Wall Galerie Angelo Falzone, Mannheim
- 2012 Tatjana Doll Galerie Klaus Gerrit Friese, Stuttgart
- 2011 Jens Hanke Galerie Hunchentoot, Berlin
- 2010 Julius Grünewald Galerie Karlheinz Meyer, Karlsruhe
- 2009 Thomas Müller Galerie Michael Sturm, Stuttgart
- 2008 Reto Boller Galerie Mueller-Roth, Stuttgart
