Fotografie & Original-Editionen

Schwerpunkt in Halle 1 - Fotografie und Original-Editionen
Schwerpunkt in Halle 1 - Fotografie und Original-Editionen

Oft beginnt ein Sammler-Leben mit dem Erwerb einer Druckgrafik, da bekanntermaßen hier die Preise aufgrund des “seriellen” Charakters auch für Einsteiger attraktiv sind. Und das Medium Druckgrafik hat die Aufmerksamkeit, die es in Halle 1 bekommt, auch verdient: Fast alle Künstler haben sich an Aquatinta, Lithografie, Siebdruck oder Holzschnitt probiert. Dazu passt hervorragend der zweite Schwerpunkt in Halle 1: die Fotokunst.

Fotografie in grosser Bandbreite

Fine Art Photography bei Galerie Stephen Hoffman
Fine Art Photography bei Galerie Stephen Hoffman

Fotografie ist ein vergleichsweise junges künstlerisches Medium. Erste Kunstfotografien entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts in dem Bemühen, mit der Kamera die Malerei zu imitieren. Eine Differenzierung zwischen künstlerischer und angewandter Fotografie hat sich etwa ab 1945 herausgebildet. Die Anfänge der künstlerischen Fotografie setzen stilistisch in der Kunst des späten Biedermeier an, deren Ziel die möglichst authentische Darstellung der Wirklichkeit war. Auf der anderen Seite war die Fotografie als Momentfotografie stilbildend für den Impressionismus, dessen erste Ausstellung folgerichtig in einem Fotoatelier stattfand. Die künstlerische Fotografie löste sich jedoch rasch von der Zielsetzung der authentischen Darstellung und gliederte sich in zahlreiche Stilrichtungen und Genres auf.

In Halle 1 der art KARLSRUHE ist künstlerische Fotografie in ihrer ganzen Bandbreite, von klassischer Reportage-, Portrait-, Akt- und Architekturfotografie bis hin zu konzeptioneller, experimenteller, inszenierter und abstrakter Fotografie, als Vintage oder Modern Print zu finden.

Neben visueller Idee und künstlerischer Botschaft gehört zu einem guten Foto auch immer die vollständige Beherrschung der fotografischen Technik.

Bekannte Vertreter der Fotokunst des 20. Jahrhunderts sind beispielsweise Henri Cartier-Bresson, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Robert Adams, William Eggleston oder auch Edward Jan Steichen. Wie in der Malerei haben sich in der Fotokunst auch sogenannte “Schulen” gebildet. Dazu gehört beispielsweise die Düsseldorfer Photoschule von Bernd und Hilla Becher. Das Paar erwarb sich mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien von Fachwerkhäusern und Industriebauten wie Fördertürmen, Hochöfen, Kohlebunkern, Fabrikhallen, Gasometern, Getreidesilos und komplexen Industrielandschaften ein internationales Renommee. Aus ihrer Schule gingen unter anderem heute weltberühmte Fotografen wie Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Thomas Struth.

Editionskunst auf der art KARLSRUHE

Editionskunst auf der art KARLSRUHE
Editionskunst auf der art KARLSRUHE

Die Bezeichnung Edition, eigentlich für die Herausgebertätigkeit von Druckwerken verwendet, wird auch bei der Vervielfältigung von Kunstwerken genutzt. Es entsteht sogenannte Editionskunst oder auch Auflagenkunst; also Werke, die in mehr als einer Auflage existieren. Dazu zählen Fotos und Druckgrafiken.

Starker Auftritt der Druckgrafik auf der art KARLSRUHE

Starker Auftritt der Druckgrafik auf der art KARLSRUHE
Starker Auftritt der Druckgrafik auf der art KARLSRUHE

Viele der großen, heute international renommierten Sammler haben einst mit Grafik und anderer Auflagenkunst begonnen. Die preislich erschwinglichen Blätter und Multiples bieten die Chance, die Kunst der Klassischen Moderne und der Gegenwart in Ruhe kennenzulernen. Und: So manche Radierung oder Siebdruck, Jahrzehnte zuvor von jungen Kunstfreunden vielleicht dank Taschengeld erworben, bringt es später zu Spitzenpreisen.

So zeugt die Präsentation von Druckgrafik auf der art KARLSRUHE, wo auf einer Ausstellungsfläche von rund 200 Quadratmetern aus dem Bestand der Aussteller verkäufliche Exemplare in möglichst niedriger Auflage gezeigt werden, von der Vielfalt des Mediums. Zugleich wird ein breites Spektrum kunsthistorischer Art ausgebreitet.

Portrait Frank-Thomas Gaulin, Kunsthaus Lübeck, Beiratsmitglied und Impulsgeber der Grafik-Schau

Gerade die Grafik in all ihren Facetten des Hoch-, Flach- und Tiefdrucks fasziniert seit Jahrhunderten Künstler und damit auch Sammler aller Altersgruppen. Sie ermöglicht den Aufbau einer wertvollen Kollektion – und kann die Menschen zur Schule des Sehens führen.


Frank-Thomas Gaulin, Kunsthaus Lübeck, Beiratsmitglied und Impulsgeber der Grafik-Schau

Glossar zur Druckgrafik

Unter der Sammelbezeichnung Druckgrafik werden jene künstlerischen Techniken erfasst, die zur Vervielfältigung einer bildnerischen Vorlage dienen. Die Druckvorlage oder Druckform entsteht durch die spiegelverkehrte Gestaltung des Motivs. Dabei wird beispielsweise graviert: Aus der festen Oberfläche des Druckträgers sind die Formen herauszulösen, die nicht gedruckt werden sollen. Kommt Farbe auf die Druckplatte, so wird beim Abdruck auf Papier das eigentliche grafische Werk sichtbar. Nicht zuletzt: Je mehr Exemplare abgezogen werden, desto stärker reduziert sich die Druckform, wenn sie nicht verstählt wird. So schätzen Künstler, Galeristen und Sammler vor allem niedrige Auflagen der Grafiken die vom Künstler handsigniert, nummeriert und datiert sind.

Beim Hochdruck liegen die Bildelemente wie ein Relief erhöht auf der Druckplatte, um dann, mit Farbe getränkt, abgedruckt zu werden. Der Holzschnitt ist dabei das klassische und auch älteste Verfahren: Mit Sticheln und Messern schneidet der Künstler die nicht druckenden Teile aus dem hölzernen Druckträger. Eine negative Arbeitsweise, die keine Korrekturen gestattet, sollte sich der Grafiker verschneiden. Die Expressionisten waren es, die im 20. Jahrhundert mit besonderer Freude auf die traditionsreiche Bildgattung zurückkamen, die schon in der Frühen Neuzeit als Illustrationstechnik im Buchdruck eine Rolle spielte. Sie liebten den Holzschnitt, weil er zu einer kantigen, herben Bildsprache führt.

Wie es der Name sagt: Die Bildelemente werden in die Druckplatte eingeritzt und liegen folglich tiefer. Der Tiefdruck zeichnet sich dadurch aus, dass die Farbe in diese Vertiefungen gerieben und die übrige Oberfläche vor dem Druck sauber gewischt wird. Ein positives Verfahren. Die Radierung, seit dem 15. Jahrhundert im Einsatz, erlaubt eine virtuosere Handhabung als der Hochdruck, weil die für die Gravur benötigten Stifte auf den Metallplatten gewissermaßen tanzen können. Ein Problem ist es allerdings, dass die beim Gravieren entstehenden Grate empfindlich sind und nach 20 bis 30 Abzügen leiden. Neben der Kaltnadel-Radierung, durch Albrecht Dürer berühmt geworden, gibt es die Warmnadel-Radierung beziehungsweise Ätz-Radierung, die durch die Gravur in eine weiche Schicht und ein anschließendes Säure-Bad entsteht. Wiederholte Ätzungen gestatten Halbtonwerte. Die Aquatinta als Variante der Radierung, besonders malerisch in der Wirkung, wurde beispielsweise von Francisco de Goya und von Pablo Picasso bevorzugt.

Bei dieser Drucktechnik liegen die beiden Gegensätze, die druckenden und die nicht druckenden Elemente, auf einer Ebene. Beim Lithografieren wird die feinporige (Kalk-)Steinplatte geschliffen und mit einer fetthaltigen Kreide bearbeitet. Danach ist eine Lösung aufzutragen, die sowohl fettempfängliche als auch fettabweisende Teile der Bildvorlage in ihrer chemischen Wirkung verstärkt. Kein leichter Druckvorgang, sagen viele Künstler und beauftragen deshalb gerne einen eigens ausgebildeten Lithografen. Die Kunst der Lithografie, seit dem 20. Jahrhundert verwendet, diente vielen Plakat-Künstlern, darunter Henri de Toulouse-Lautrec, als ideale Möglichkeit der Vervielfältigung auch farbiger Motive.

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