Hans Platschek Preis

Verleihung des Platschek Preises

Die Hans Platschek Stiftung, die ihren Kunstpreis seit mehr als zehn Jahren auf der art KARLSRUHE vergibt, erinnert an den im Jahr 2000 verstorbenen Maler und Schriftsteller Hans Platschek, der zweifellos einer der bedeutenden Vor- und Nachdenker aber auch Kritiker künstlerischer Positionen nach dem zweiten Weltkrieg war.

Platschek-Preisträger waren bereits Jonathan Meese, Michael Kunze oder auch Justin Almquist. Die Arbeiten des Geehrten werden jeweils in Halle 1 ausgestellt – im Dialog mit sorgsam ausgewählten Bildern von Hans Platschek. Eine Würdigung der besonderen Art, die stets größte Aufmerksamkeit erzeugt.

Das Interview

Der Autor und Herausgeber der KUNSTZEITUNG, Karlheinz Schmid, über Hans Platschek.

Karlheinz Schmid: Er hatte die seltene Gabe, hohe Intellektualität und lustvollste Sinnlichkeit miteinander verbinden zu können. Seine Persönlichkeit war von diesen beiden Kräften dominiert, wie er andererseits gleichermaßen über zwei Ventile verfügte, die sein Denken und Fühlen in de Öffentlichkeit brachten. Hans Platschek malte, was er nicht beschreiben konnte oder wollte, und im Gegenzug verfasste er immer wieder Texte, wenn seine Bildmittel zu versagen drohten, wenn seine Gedanken weit über den Keilrahmen hinausreichten. Ein Wechselspiel, das er bis zuletzt virtuos zu nutzen wusste.

Karlheinz Schmid: Natürlich war Platschek klug und erfahren genug, wissenschaftlich arbeiten zu können. Er favorisierte aber eindeutig die Möglichkeit, neben seiner eigenen Malerei auf Leinwand oder Papier mit Worten farbig zu werden. Ja, er war ein Literat, freilich allzeit der Kunst verpflichtet. Sie war sein lebenslanges Thema, und er scheute sich dabei nicht im geringsten, auch gnadenlos Netzbeschmutzung zu betreiben, einzelne Kollegen persönlich anzugreifen, wenn er von ihrer Botschaft nicht überzeugt war. Ein Polemiker, wie es in den vergangenen Jahrzehnten im Kunstbetrieb nur wenige gab.

Karlheinz Schmid: Sein größtes Feindbild war Joseph Beuys. Unvergessen, wie wir in der ersten Hälfte der Achtziger, bevor der damals überall umschwärmte Beuys früh starb, nächtelang stritten, uns gottlob aber immer wieder versöhnten. Was manche Laien unterstellten, nämlich Scharlatanerie, das versuchte Hans Platschek, freilich wortreich unterlegt, in noch extremer Weise zu verbreiten. Dass er damit den Jungs und Mädels auf dem Hamburger Kiez imponieren wollte, dachte ich oft. Doch wenig später musste ich dann wieder irgendwo exakt das lesen, was er nachts referiert hatte. Eine wilde Zeit, eine Zeit, in der es in der Kunst ums Ganze zu gehen schien.

Karlheinz Schmid: Ich vermisse meinen väterlichen Freund, einen großartigen Künstler. Und ich bin froh, dass die Hamburger Hans Platschek Stiftung auf der art KARLSRUHE per Preisvergabe und Ausstellung Jahr für Jahr daran erinnert, dass dieser Maler und Kritiker ein Werk hinterlassen hat, das nach wie vor der Auseinandersetzung dient.

Hans Platschek, das Vorbild

Zweifellos zählt der 1923 in Berlin geborene und im Jahr 2000 in Hamburg gestorbene Maler und Schriftsteller Hans Platschek zu den Künstlern, die die Nachkriegskunst in Deutschland stark beeinflusst haben. Wie viele seiner Kollegen entwickelte er zunächst eine ungegenständliche Malerei, oft in dunklen, erdigen Tönen gehalten, um dann bereits Ende der fünfziger Jahre aus dem Informel auszubrechen und sich zunehmend einer figurativen Malerei zu widmen. Verrat, so schimpften manche seiner Künstler-Freunde. Im Gegenzug gehörte Hans Platschek, der auch mit seinen Büchern (etwa „Über die Dummheit in der Malerei“ oder „Von Dada zur Smart Art“) und Aufsätzen für reichlich Zündstoff sorgte, zu den Vordenkern, die keinem Konflikt aus dem Weg gingen, deren nachdenklich stimmende Thesen stets lebhaft geführte Debatten einleiteten.

Bisherige Preisträger und Juroren

  • 2018 Michael Kunze, Maler | Juror: Dr. Gregor Jansen, Kunsthistoriker, Publizist und Kurator
  • 2017 Jonathan Meese, Maler und Performancekünstler. | Juror: Florian Illies, Kunsthistoriker und -kritiker
  • 2016 Justin Almquist, US-amerikanischer Künstler. | Juror: Matthias Mühling, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus
  • 2015 Rikuo Ueda, japanischer Künstler aus Osaka. | Juror: Sebastian Giesen, Kunsthistoriker
  • 2014 Sandra Boeschenstein, Schweizer Künstlerin, lebt und arbeitet in Zürich. | Jurorin: Ulrike Groos, Leiterin Kunstmuseum Stuttgart
  • 2013 GIOM (Guillaume Bruère), französischer Zeichner, Maler, Bildhauer und Performancekünstler. | Juror: Robert Fleck, Kunstakademie Düsseldorf
  • 2012 Rolf Bier, Maler, Schriftsteller und Objektkünstler. | Juror: Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums Hannover
  • 2011 Werner Büttner, veröffentlich neben bildnerischen Werken auch aphoristische Texte. | Juror: Harald Falckenberg, Kunstsammler
  • 2010 Monika Grzymala, Zeichnungen und Papierinstallationen. | Juror: Axel Hecht, Kunstkritiker und langjähriger Chefredakteur der Kunstzeitschrift „art“
  • 2009 Friedrich Einhoff, Maler und Zeichner. | Juror: Werner Hofmann, ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle
  • 2008 F. W. Bernstein, Zeichner und satirischer Schriftsteller. | Juror: Manfred Eichel, ehemaliger „aspekte“-Chef

Preisträger 2018: Michael Kunze, Maler

Verleihung des Platschek Preises
Platschek Preisträger 2018 - der Maler Michael Kunze
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