Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift 2022

Verleihung des Hans Platschek Preises auf der art KARLSRUHE 2022
Verleihung des Hans Platschek Preises auf der art KARLSRUHE 2022 v.l.n.r.: Ewald Karl Schrade, Jurorin Dr. Ulrike Lorenz, Sabine Groenewold, Kurt Groenewold, Preisträger Osmar Osten, Britta Wirtz, Dr. Sebastian Giesen

Die Hans Platschek Stiftung in Hamburg, 2005 vom Anwalt Kurt Groenewold gegründet, vergibt seit 2008 jährlich im Rahmen der art KARLSRUHE den Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift. Der Preisträger wird auf Vorschlag eines jährlich wechselnden autonom entscheidenden Jurors vergeben.

Der Berliner Künstler Hans Platschek, der zuletzt in Hamburg lebte, aber zuvor auch in Weltstädten wie London, Paris und Rom, war als Jugendlicher mit seinen Eltern nach Südamerika geflohen, weil der Alltag unter dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland für die Familie unerträglich wurde (die Mutter war Jüdin).

Preisträger 2022: Osmar Osten

Hans Platschek Preisträger 2022 Osmar Osten, Foto: © Franziska Kurz
Hans Platschek Preisträger 2022 Osmar Osten, Foto: © Franziska Kurz

Der Hans Platschek-Preis 2022 geht an den Maler Osmar Osten.

Osmar Osten studierte von 1980 bis 1985 Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, nachdem er eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner abgeschlossen hatte. Von 1991 bis 1995 hatte er einen Lehrauftrag an der Westsächsischen Hochschule Zwickau für Angewandte Kunst Schneeberg, 2010 am Bilbao Arte Centre. Seit 2002 ist Osmar Osten ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste, Dresden.

2010 und 2020 wurde er mit dem Preis der Grafikbiennale 100 Sächsische Grafiken ausgezeichnet.

Neben einer langjährigen Zusammenarbeit mit der Galerie „Salvatore e Caroline Ala“ in Mailand, stellte er in zahlreichen Galerien und Museen in Deutschland und im Ausland aus, im vergangenen Jahr unter dem Motto „Afrika ist für alle da!“ in der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz.

Aktuell zu sehen sind die Ausstellungen: „Edelsinn“ in der Galerie Adlergasse, Dresden (26. November 2021 bis 4. März 2022) und „Tagesschau“ (Gruppenausstellung) in der Galerie Mountains, Berlin (4. Februar bis 6. März 2022).

Am 4. April 2022 eröffnet eine Ausstellung in der Sächsischen Akademie der Künste, Dresden.

Platschek-Preisträger waren bereits Michael Kunze, Monica Bonvicini, Helga Schmidhuber und Monika Baer (2021).

Einzeljurorin

Jurorin 2022 Dr. Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Foto: Candy Welz, © Klassik Stiftung Weimar
Jurorin 2022 Dr. Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Foto: Candy Welz, © Klassik Stiftung Weimar

Wie alljährlich wählt der Stiftungs-Vorstand einen Einzeljuror, welcher für die Preisverleihung eine/n Preisträger/in nominieren wird. Derzeit besteht der Vorstand aus Kurt Groenewold, Prof. Bettina Steinbrügge, Kunstverein in Hamburg, sowie Dr. Sebastian Giesen, Hermann Reemtsma Stiftung. Die Einzeljurorin und somit auch Laudatorin 2022 ist Ulrike Lorenz.

Seit August 2019 ist sie Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, nach Stationen als Direktorin an der Kunsthalle Mannheim, am Kunstforum Ostdeutsche Galerie, dem Stadtmuseum Gera und der Kunstsammlung Gera, wo sie eine der größten Dix-Sammlungen in öffentlicher Hand aufbaute. Später kuratierte sie die erste Otto-Dix-Retrospektive in Lateinamerika: „Otto Dix: Violencia y Pasión“ in der Nationalgalerie Mexiko City (2016).

2008 erhielt sie den Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. 2018 wurde sie mit dem Frauenbrücke-Preis für innere Einheit Deutschlands ausgezeichnet.

Werkauswahl von Osmar Osten

Osmar Osten, Die Beliebigkeit in der Kunst ist zwar kein Fluch aber auch kein Vorteil, 1996, Öl auf Hartfaser, 97 x 77 cm

Osmar Osten, Die Beliebigkeit in der Kunst ist zwar kein Fluch aber auch kein Vorteil, 1996, Öl auf Hartfaser, 97 x 77 cm

Osmar Osten, Wissenschaftler sind Menschen zweiter Klasse!, 2016, Öl auf Leinwand, 30 x 24 cm

Osmar Osten, Wissenschaftler sind Menschen zweiter Klasse!, 2016, Öl auf Leinwand, 30 x 24 cm

Osmar Osten, Wie nun?, 2020, Öl, Sprühlack und Münzen auf Leinwand, 107 x 86 cm

Osmar Osten, Wie nun?, 2020, Öl, Sprühlack und Münzen auf Leinwand, 107 x 86 cm

Osmar Osten, ohne Titel, ohne Jahr, Acryl und Sprühlack auf Hartfaser, 161 x 103 cm

Osmar Osten, ohne Titel, ohne Jahr, Acryl und Sprühlack auf Hartfaser, 161 x 103 cm

Hans Platschek, das Vorbild

Zweifellos zählt der 1923 in Berlin geborene und im Jahr 2000 in Hamburg gestorbene Maler und Schriftsteller Hans Platschek zu den Künstlern, die die Kunst nach 1945 in Deutschland stark beeinflusst haben. Wie viele seiner Kollegen entwickelte er zunächst eine ungegenständliche Malerei, oft in dunklen, erdigen Tönen gehalten, um dann bereits Ende der fünfziger Jahre aus dem Informel auszubrechen und sich zunehmend einer figurativen Malerei zu widmen. Verrat, so schimpften manche seiner Künstler-Freunde. Im Gegenzug gehörte Hans Platschek, der auch mit seinen Büchern (etwa „Über die Dummheit in der Malerei“ oder „Von Dada zur Smart Art“) und Aufsätzen für reichlich Zündstoff sorgte, zu den Vordenkern, die keinem Konflikt aus dem Weg gingen, deren nachdenklich stimmende Thesen stets lebhaft geführte Debatten einleiteten.

Das Interview

Der Autor und Herausgeber der KUNSTZEITUNG, Karlheinz Schmid, über Hans Platschek.

Karlheinz Schmid: Er hatte die seltene Gabe, hohe Intellektualität und lustvollste Sinnlichkeit miteinander verbinden zu können. Seine Persönlichkeit war von diesen beiden Kräften dominiert, wie er andererseits gleichermaßen über zwei Ventile verfügte, die sein Denken und Fühlen in de Öffentlichkeit brachten. Hans Platschek malte, was er nicht beschreiben konnte oder wollte, und im Gegenzug verfasste er immer wieder Texte, wenn seine Bildmittel zu versagen drohten, wenn seine Gedanken weit über den Keilrahmen hinausreichten. Ein Wechselspiel, das er bis zuletzt virtuos zu nutzen wusste.

Karlheinz Schmid: Natürlich war Platschek klug und erfahren genug, wissenschaftlich arbeiten zu können. Er favorisierte aber eindeutig die Möglichkeit, neben seiner eigenen Malerei auf Leinwand oder Papier mit Worten farbig zu werden. Ja, er war ein Literat, freilich allzeit der Kunst verpflichtet. Sie war sein lebenslanges Thema, und er scheute sich dabei nicht im geringsten, auch gnadenlos Netzbeschmutzung zu betreiben, einzelne Kollegen persönlich anzugreifen, wenn er von ihrer Botschaft nicht überzeugt war. Ein Polemiker, wie es in den vergangenen Jahrzehnten im Kunstbetrieb nur wenige gab.

Karlheinz Schmid: Sein größtes Feindbild war Joseph Beuys. Unvergessen, wie wir in der ersten Hälfte der Achtziger, bevor der damals überall umschwärmte Beuys früh starb, nächtelang stritten, uns gottlob aber immer wieder versöhnten. Was manche Laien unterstellten, nämlich Scharlatanerie, das versuchte Hans Platschek, freilich wortreich unterlegt, in noch extremer Weise zu verbreiten. Dass er damit den Jungs und Mädels auf dem Hamburger Kiez imponieren wollte, dachte ich oft. Doch wenig später musste ich dann wieder irgendwo exakt das lesen, was er nachts referiert hatte. Eine wilde Zeit, eine Zeit, in der es in der Kunst ums Ganze zu gehen schien.

Karlheinz Schmid: Ich vermisse meinen väterlichen Freund, einen großartigen Künstler. Und ich bin froh, dass die Hamburger Hans Platschek Stiftung auf der art KARLSRUHE per Preisvergabe und Ausstellung Jahr für Jahr daran erinnert, dass dieser Maler und Kritiker ein Werk hinterlassen hat, das nach wie vor der Auseinandersetzung dient.

Bisherige Preisträger und Juroren

  • 2021 Monika Baer, Malerin | Jurorin: Christina Végh, Direktorin der Kunsthalle Bielefeld
  • 2020 Helga Schmidhuber, Malerin | Juror: Prof. Dr. Alexander Klar, Direktor der Kunsthalle Hamburg
  • 2019 Monica Bonvicini, Malerin und Perfomancekünstlerin | Jurorin: Prof. Bettina Steinbrügge, Direktorin des Kunstvereins Hamburg
  • 2018 Michael Kunze, Maler | Juror: Dr. Gregor Jansen, Kunsthistoriker, Publizist und Kurator
  • 2017 Jonathan Meese, Maler und Performancekünstler. | Juror: Florian Illies, Kunsthistoriker und -kritiker
  • 2016 Justin Almquist, US-amerikanischer Künstler. | Juror: Matthias Mühling, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus
  • 2015 Rikuo Ueda, japanischer Künstler aus Osaka. | Juror: Sebastian Giesen, Kunsthistoriker
  • 2014 Sandra Boeschenstein, Schweizer Künstlerin, lebt und arbeitet in Zürich. | Jurorin: Ulrike Groos, Leiterin Kunstmuseum Stuttgart
  • 2013 GIOM (Guillaume Bruère), französischer Zeichner, Maler, Bildhauer und Performancekünstler. | Juror: Robert Fleck, Kunstakademie Düsseldorf
  • 2012 Rolf Bier, Maler, Schriftsteller und Objektkünstler. | Juror: Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums Hannover
  • 2011 Werner Büttner, veröffentlich neben bildnerischen Werken auch aphoristische Texte. | Juror: Harald Falckenberg, Kunstsammler
  • 2010 Monika Grzymala, Zeichnungen und Papierinstallationen. | Juror: Axel Hecht, Kunstkritiker und langjähriger Chefredakteur der Kunstzeitschrift „art“
  • 2009 Friedrich Einhoff, Maler und Zeichner. | Juror: Werner Hofmann, ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle
  • 2008 F. W. Bernstein, Zeichner und satirischer Schriftsteller. | Juror: Manfred Eichel, ehemaliger „aspekte“-Chef