Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift 2021

Verleihung des Hans Platschek Preises zur art KARLSRUHE 2020
Verleihung des Hans Platschek Preises zur art KARLSRUHE 2020 v.r.n.l.: Dr. Sebastian Giesen, Sabine Groenewold, Kurt Groenewold, Preisträgerin: Helga Schmidhuber, Juror: Prof. Dr. Alexander Klar, Britta Wirtz,

Die Hans Platschek Stiftung in Hamburg, 2005 vom Anwalt Kurt Groenewold gegründet, vergibt seit 2008 jährlich im Rahmen der art KARLSRUHE den Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift. Der Preisträger wird auf Vorschlag eines jährlich wechselnden autonom entscheidenden Jurors vergeben.

In diesem Jahr fand die Preisverleihung am 8. September im „Kunstverein in Hamburg“ statt.

Der Berliner Künstler Hans Platschek, der zuletzt in Hamburg lebte, aber zuvor auch in Weltstädten wie London, Paris und Rom, war als Jugendlicher mit seinen Eltern nach Südamerika geflohen, weil der Alltag unter dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland für die Familie unerträglich wurde (die Mutter war Jüdin).

Preisträgerin 2021: Monika Baer

Hans Platschek Preisträgerin 2021 Monika Baer, Foto © Wolfgang Wowe
Hans Platschek Preisträgerin 2021 Monika Baer, Foto © Wolfgang Wowe

Der Hans Platschek-Preis 2021 geht an die Malerin Monika Baer.

Sie studierte von 1985 bis 1992 an der Kunstakademie Düsseldorf. Zu den jüngsten Ausstellungen gehören „Monika Baer“, Kunsthalle Bern, Schweiz 2021 und „loose change“, Greene Naftali Gallery, New York, USA 2021.

2020 wurde Monika Baer mit dem Hannah-Höch-Preis, Neuer Berliner Kunstverein, ausgezeichnet.

Platschek-Preisträger waren bereits Jonathan Meese, Monica Bonvicini, Michael Kunze und Helga Schmidhuber (2020).

Jurorin 2021 Christina Végh Foto © Veit Mette
Jurorin 2021 Christina Végh Foto © Veit Mette

Wie alljährlich wählt der Stiftungs-Vorstand einen Einzeljuror, welcher für die Preisverleihung eine/n Preisträger/in nominieren wird. Derzeit besteht der Vorstand aus Kurt Groenewold, Prof. Bettina Steinbrügge, Kunstverein in Hamburg, sowie Dr. Sebastian Giesen, Hermann Reemtsma Stiftung. Die Einzeljurorin und somit auch Laudatorin 2021 ist Christina Végh. Seit Januar 2020 ist sie Direktorin der Kunsthalle Bielefeld, nach Stationen als Direktorin der Kestnergesellschaft in Hannover und des Bonner Kunstvereins, wo sie für ihre „experimentelle Kunstvermittlung für Kinder und Jugendliche“ ausgezeichnet wurde.

In der Kurzbegründung zur Wahl Monika Baers sagt Christina Végh: „ … Sprache spielt in ihrem Werk zwar vordergründig keine Rolle, aber ihre Malerei lebt von Doppeldeutigkeit, Scharfzüngigkeit, konzeptueller und selbstreflexiver Resonanzräume. Das ‚Stoffliche‘ in der Malerei nimmt sie wortwörtlich, wenn es Flaschen-, Wurst- oder Busenbilder gibt. Als Meisterin der Parodie testet sie konventionelle Weisen der Bilddeutung und Wahrnehmung mit den Mitteln der Malerei selbst. …“.

Das Interview

Der Autor und Herausgeber der KUNSTZEITUNG, Karlheinz Schmid, über Hans Platschek.

Karlheinz Schmid: Er hatte die seltene Gabe, hohe Intellektualität und lustvollste Sinnlichkeit miteinander verbinden zu können. Seine Persönlichkeit war von diesen beiden Kräften dominiert, wie er andererseits gleichermaßen über zwei Ventile verfügte, die sein Denken und Fühlen in de Öffentlichkeit brachten. Hans Platschek malte, was er nicht beschreiben konnte oder wollte, und im Gegenzug verfasste er immer wieder Texte, wenn seine Bildmittel zu versagen drohten, wenn seine Gedanken weit über den Keilrahmen hinausreichten. Ein Wechselspiel, das er bis zuletzt virtuos zu nutzen wusste.

Karlheinz Schmid: Natürlich war Platschek klug und erfahren genug, wissenschaftlich arbeiten zu können. Er favorisierte aber eindeutig die Möglichkeit, neben seiner eigenen Malerei auf Leinwand oder Papier mit Worten farbig zu werden. Ja, er war ein Literat, freilich allzeit der Kunst verpflichtet. Sie war sein lebenslanges Thema, und er scheute sich dabei nicht im geringsten, auch gnadenlos Netzbeschmutzung zu betreiben, einzelne Kollegen persönlich anzugreifen, wenn er von ihrer Botschaft nicht überzeugt war. Ein Polemiker, wie es in den vergangenen Jahrzehnten im Kunstbetrieb nur wenige gab.

Karlheinz Schmid: Sein größtes Feindbild war Joseph Beuys. Unvergessen, wie wir in der ersten Hälfte der Achtziger, bevor der damals überall umschwärmte Beuys früh starb, nächtelang stritten, uns gottlob aber immer wieder versöhnten. Was manche Laien unterstellten, nämlich Scharlatanerie, das versuchte Hans Platschek, freilich wortreich unterlegt, in noch extremer Weise zu verbreiten. Dass er damit den Jungs und Mädels auf dem Hamburger Kiez imponieren wollte, dachte ich oft. Doch wenig später musste ich dann wieder irgendwo exakt das lesen, was er nachts referiert hatte. Eine wilde Zeit, eine Zeit, in der es in der Kunst ums Ganze zu gehen schien.

Karlheinz Schmid: Ich vermisse meinen väterlichen Freund, einen großartigen Künstler. Und ich bin froh, dass die Hamburger Hans Platschek Stiftung auf der art KARLSRUHE per Preisvergabe und Ausstellung Jahr für Jahr daran erinnert, dass dieser Maler und Kritiker ein Werk hinterlassen hat, das nach wie vor der Auseinandersetzung dient.

Hans Platschek, das Vorbild

Zweifellos zählt der 1923 in Berlin geborene und im Jahr 2000 in Hamburg gestorbene Maler und Schriftsteller Hans Platschek zu den Künstlern, die die Kunst nach 1945 in Deutschland stark beeinflusst haben. Wie viele seiner Kollegen entwickelte er zunächst eine ungegenständliche Malerei, oft in dunklen, erdigen Tönen gehalten, um dann bereits Ende der fünfziger Jahre aus dem Informel auszubrechen und sich zunehmend einer figurativen Malerei zu widmen. Verrat, so schimpften manche seiner Künstler-Freunde. Im Gegenzug gehörte Hans Platschek, der auch mit seinen Büchern (etwa „Über die Dummheit in der Malerei“ oder „Von Dada zur Smart Art“) und Aufsätzen für reichlich Zündstoff sorgte, zu den Vordenkern, die keinem Konflikt aus dem Weg gingen, deren nachdenklich stimmende Thesen stets lebhaft geführte Debatten einleiteten.

Bisherige Preisträger und Juroren

  • 2020 Helga Schmidhuber, Malerin | Juror: Prof. Dr. Alexander Klar, Direktor der Kunsthalle Hamburg
  • 2019 Monica Bonvicini, Malerin und Perfomancekünstlerin | Jurorin: Prof. Bettina Steinbrügge, Direktorin des Kunstvereins Hamburg
  • 2018 Michael Kunze, Maler | Juror: Dr. Gregor Jansen, Kunsthistoriker, Publizist und Kurator
  • 2017 Jonathan Meese, Maler und Performancekünstler. | Juror: Florian Illies, Kunsthistoriker und -kritiker
  • 2016 Justin Almquist, US-amerikanischer Künstler. | Juror: Matthias Mühling, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus
  • 2015 Rikuo Ueda, japanischer Künstler aus Osaka. | Juror: Sebastian Giesen, Kunsthistoriker
  • 2014 Sandra Boeschenstein, Schweizer Künstlerin, lebt und arbeitet in Zürich. | Jurorin: Ulrike Groos, Leiterin Kunstmuseum Stuttgart
  • 2013 GIOM (Guillaume Bruère), französischer Zeichner, Maler, Bildhauer und Performancekünstler. | Juror: Robert Fleck, Kunstakademie Düsseldorf
  • 2012 Rolf Bier, Maler, Schriftsteller und Objektkünstler. | Juror: Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums Hannover
  • 2011 Werner Büttner, veröffentlich neben bildnerischen Werken auch aphoristische Texte. | Juror: Harald Falckenberg, Kunstsammler
  • 2010 Monika Grzymala, Zeichnungen und Papierinstallationen. | Juror: Axel Hecht, Kunstkritiker und langjähriger Chefredakteur der Kunstzeitschrift „art“
  • 2009 Friedrich Einhoff, Maler und Zeichner. | Juror: Werner Hofmann, ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle
  • 2008 F. W. Bernstein, Zeichner und satirischer Schriftsteller. | Juror: Manfred Eichel, ehemaliger „aspekte“-Chef