Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift 2020

Verleihung des Platschek Preises zur art KARLSRUHE 2019
Verleihung des Platschek Preises zur art KARLSRUHE 2019 v.r.n.l.: Kurt Groenewold, Britta Wirtz, Preisträgerin: Monica Bonvicini, Ewald Karl Schrade, Prof. Bettina Steinbrügge, Sabine Groenewold, Dr. Sebastian Giesen

Zwanzig Jahre nach dem Tod von Hans Platschek wird der nächste Preisträger geehrt.

Wenige Tage nach dem 20. Todestag des Malers und Schriftstellers Hans Platschek wird auf der art KARLSRUHE erneut der Hans Platschek Preis vergeben. Der Berliner Künstler, der in Weltstädten wie London, Paris, Rom und zuletzt in Hamburg lebte, war als Jugendlicher mit seinen Eltern nach Südamerika geflohen, weil der Alltag unter dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland für die Familie und die jüdische Mutter unerträglich wurde.

Die Hans Platschek Stiftung in Hamburg, 2005 vom Anwalt Kurt Groenewold gegründet, vergibt nun bereits zum dreizehnten Mal den Hans Platschek-Preis für Kunst und Schrift. Wie alljährlich wählt der Vorstand einen Einzeljuror, welcher für die Preisverleihung am ersten Messetag, Donnerstag, 13. Februar 2020, eine/n Preisträger/in nominieren wird. Derzeit besteht der Vorstand aus Kurt Groenewold, Bettina Steinbrügge, Kunstverein in Hamburg, sowie Sebastian Giesen, Hermann Reemtsma Stiftung. Der Einzeljuror und somit auch Laudator in 2020 wird Alexander Klar, Direktor der Kunsthalle Hamburg, sein.

2019 hatte sich Bettina Steinbrügge als Jurorin für die Künstlerin Monica Bonvicini entschieden, die im Februar auf der art KARLSRUHE 2019 ausgezeichnet wurde. In den Jahren vorher waren bereits renommierte Künstler wie Werner Büttner, Michael Kunze und Jonathan Meese geehrt worden, weil auch sie, wie einst Hans Platschek, Bild und Text in ihrer Arbeit gleichermaßen integrieren. Auch die Liste der Juroren ist hochkarätig: die Stiftung bat Museumsleute wie Werner Hofmann, Ulrike Groos, Gregor Jansen, Ulrich Krempel und Matthias Mühling, die Aufgabe zu übernehmen. Obendrein waren Autoren und Kritiker wie Manfred Eichel, Harald Falckenberg, Robert Fleck, Axel Hecht und Florian Illies mit eingebunden.

Das Interview

Der Autor und Herausgeber der KUNSTZEITUNG, Karlheinz Schmid, über Hans Platschek.

Karlheinz Schmid: Er hatte die seltene Gabe, hohe Intellektualität und lustvollste Sinnlichkeit miteinander verbinden zu können. Seine Persönlichkeit war von diesen beiden Kräften dominiert, wie er andererseits gleichermaßen über zwei Ventile verfügte, die sein Denken und Fühlen in de Öffentlichkeit brachten. Hans Platschek malte, was er nicht beschreiben konnte oder wollte, und im Gegenzug verfasste er immer wieder Texte, wenn seine Bildmittel zu versagen drohten, wenn seine Gedanken weit über den Keilrahmen hinausreichten. Ein Wechselspiel, das er bis zuletzt virtuos zu nutzen wusste.

Karlheinz Schmid: Natürlich war Platschek klug und erfahren genug, wissenschaftlich arbeiten zu können. Er favorisierte aber eindeutig die Möglichkeit, neben seiner eigenen Malerei auf Leinwand oder Papier mit Worten farbig zu werden. Ja, er war ein Literat, freilich allzeit der Kunst verpflichtet. Sie war sein lebenslanges Thema, und er scheute sich dabei nicht im geringsten, auch gnadenlos Netzbeschmutzung zu betreiben, einzelne Kollegen persönlich anzugreifen, wenn er von ihrer Botschaft nicht überzeugt war. Ein Polemiker, wie es in den vergangenen Jahrzehnten im Kunstbetrieb nur wenige gab.

Karlheinz Schmid: Sein größtes Feindbild war Joseph Beuys. Unvergessen, wie wir in der ersten Hälfte der Achtziger, bevor der damals überall umschwärmte Beuys früh starb, nächtelang stritten, uns gottlob aber immer wieder versöhnten. Was manche Laien unterstellten, nämlich Scharlatanerie, das versuchte Hans Platschek, freilich wortreich unterlegt, in noch extremer Weise zu verbreiten. Dass er damit den Jungs und Mädels auf dem Hamburger Kiez imponieren wollte, dachte ich oft. Doch wenig später musste ich dann wieder irgendwo exakt das lesen, was er nachts referiert hatte. Eine wilde Zeit, eine Zeit, in der es in der Kunst ums Ganze zu gehen schien.

Karlheinz Schmid: Ich vermisse meinen väterlichen Freund, einen großartigen Künstler. Und ich bin froh, dass die Hamburger Hans Platschek Stiftung auf der art KARLSRUHE per Preisvergabe und Ausstellung Jahr für Jahr daran erinnert, dass dieser Maler und Kritiker ein Werk hinterlassen hat, das nach wie vor der Auseinandersetzung dient.

Hans Platschek, das Vorbild

Zweifellos zählt der 1923 in Berlin geborene und im Jahr 2000 in Hamburg gestorbene Maler und Schriftsteller Hans Platschek zu den Künstlern, die die Nachkriegskunst in Deutschland stark beeinflusst haben. Wie viele seiner Kollegen entwickelte er zunächst eine ungegenständliche Malerei, oft in dunklen, erdigen Tönen gehalten, um dann bereits Ende der fünfziger Jahre aus dem Informel auszubrechen und sich zunehmend einer figurativen Malerei zu widmen. Verrat, so schimpften manche seiner Künstler-Freunde. Im Gegenzug gehörte Hans Platschek, der auch mit seinen Büchern (etwa „Über die Dummheit in der Malerei“ oder „Von Dada zur Smart Art“) und Aufsätzen für reichlich Zündstoff sorgte, zu den Vordenkern, die keinem Konflikt aus dem Weg gingen, deren nachdenklich stimmende Thesen stets lebhaft geführte Debatten einleiteten.

Bisherige Preisträger und Juroren

  • 2019 Monica Bonvicini, Malerin und Perfomancekünstlerin | Jurorin: Prof. Bettina Steinbrügge, Kunsthistorikerin
  • 2018 Michael Kunze, Maler | Juror: Dr. Gregor Jansen, Kunsthistoriker, Publizist und Kurator
  • 2017 Jonathan Meese, Maler und Performancekünstler. | Juror: Florian Illies, Kunsthistoriker und -kritiker
  • 2016 Justin Almquist, US-amerikanischer Künstler. | Juror: Matthias Mühling, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus
  • 2015 Rikuo Ueda, japanischer Künstler aus Osaka. | Juror: Sebastian Giesen, Kunsthistoriker
  • 2014 Sandra Boeschenstein, Schweizer Künstlerin, lebt und arbeitet in Zürich. | Jurorin: Ulrike Groos, Leiterin Kunstmuseum Stuttgart
  • 2013 GIOM (Guillaume Bruère), französischer Zeichner, Maler, Bildhauer und Performancekünstler. | Juror: Robert Fleck, Kunstakademie Düsseldorf
  • 2012 Rolf Bier, Maler, Schriftsteller und Objektkünstler. | Juror: Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museums Hannover
  • 2011 Werner Büttner, veröffentlich neben bildnerischen Werken auch aphoristische Texte. | Juror: Harald Falckenberg, Kunstsammler
  • 2010 Monika Grzymala, Zeichnungen und Papierinstallationen. | Juror: Axel Hecht, Kunstkritiker und langjähriger Chefredakteur der Kunstzeitschrift „art“
  • 2009 Friedrich Einhoff, Maler und Zeichner. | Juror: Werner Hofmann, ehemaliger Direktor der Hamburger Kunsthalle
  • 2008 F. W. Bernstein, Zeichner und satirischer Schriftsteller. | Juror: Manfred Eichel, ehemaliger „aspekte“-Chef

Preisträgerin 2019: Monica Bonvicini

Verleihung des Platschek Preises
Platschek Preisträgerin 2019 - Monica Bonvicini

Im Anschluss an die Preisverleihung sprühte Monica Bonvicini am Stand der Stiftung ein Graffiti an die Wand und kommentierte ihre frisch entstandene Arbeit vor Ort:
„Das Graffiti ist inspiriert durch eine französische Schriftstellerin, die für mich als Beispiel für eine furchtlose Frau steht. Die Stimme muss man immer benutzen.“

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